Abkömmling

Abkömmling

 

Der Begriff Abkömmlinge bezeichnet alle Nachkommen einer Person in gerader Linie. Dabei werden Kinder, Enkelkinder und Urenkelkinder zu den Abkömmlingen der geraden Linie gezählt. Eine gesetzliche Definition des Begriffs Abkömmling existiert im deutschen Rechtssystem nicht. Jedoch kann aus § 1589 Satz 1 BGB die Verwandtschaft in gerader Linie hergeleitet werden. Es kommt auf die rechtlich anerkannte Abstammung an, wer als Abkömmling gezählt wird und wer nicht. Es können auch nichteheliche Kinder und sogar Adoptivkinder zu den Abkömmlingen gezählt werden.

 

Für den Familienunterhalt definiert das Familienrecht Abkömmlinge wie folgt: Abkömmlinge sind gegenüber ihren in aufsteigender Linie geradlinig Verwandten unterhaltsberechtigt und unterhaltsverpflichtet. Das folgt aus § 1601 BGB. Dabei ist festzuhalten, dass die Abkömmlinge eine vorrangige Unterhaltspflicht gegenüber ihren aufsteigend geradlinig Verwandten wie beispielsweise Eltern und Großeltern trifft. Grundsätzlich ist dabei der nähere Abkömmling vor den entfernt verwandten Abkömmlingen in Anspruch zu nehmen. Dies regelt § 1606 BGB.

 

Für das Erbrecht werden Abkömmlinge wie folgt definiert: Abkömmlinge sind die gesetzliche Erben der ersten Ordnung gem. § 1924 BGB. Sollte der Erblasser keine Verfügung von Todes wegen erlassen haben, erben also vorrangig seine Abkömmlinge. Als Verfügung von Todes wegen ist das Testament und der Erbvertrag anzusehen. Wenn ein Erblasser ausdrücklich den Wunsch äußert, dass einer oder mehrere Abkömmlinge Erben werden sollen, so gibt das Erbschaftsrecht Auslegungsregeln vor, wer als Abkömmling erbt, wenn der Erblasser verstirbt. Wenn ein erbberechtigter Abkömmling nicht bedacht wurde, dann hat dieser Ansprüche aus dem Pflichtteilsrecht gegenüber den Erben, welche bedacht wurden.

 

Da Abkömmlinge im Erbrecht die gesetzlichen Erben der ersten Ordnung sind, sind diese automatisch alle pflichtteilsberechtigt. Jedoch gilt es darauf hinzuweisen, dass das Stammesprinzip strikt einzuhalten ist. So erbt nur der Abkömmling in der ersten Ordnung, welcher mit dem Erblasser am dichtesten verwandt ist. Beispiel: Der Großvater verstirbt und hinterlässt ein Vermögen in Höhe von 100.000,00. Sein Sohn und ein Enkelsohn leben noch und sind beide Abkömmlinge der ersten Ordnung und grundsätzlich erbberechtigt. Tatsächlich erben tut jedoch nur der Sohn, da dieser am dichtesten mit dem Erblasser verwandt ist. Das Stammesprinzip schließt also den Enkelsohn vom Erbe aus, da der Sohn den ganzen Stamm vertritt.