Ablieferungspflicht Testament

Ablieferungspflicht Testament

 

Die Erstellung eines Testaments oder eines Erbvertrages ist dann sinnvoll, wenn es sich um größere Vermögenswerte handelt, welche den zukünftigen Nachlass bilden, oder wenn der Erblasser bestimmte Vorstellungen hat, wer erben soll und wer nicht. Bis auf die Pflichtanteile kann der Erblasser frei über sein Vermögen verfügen und dieses somit auch individuell aufteilen. Weiterhin ist ein Testament erforderlich, wenn ein gewerbliches Unternehmen in den Nachlass fällt und hierfür ein Nachfolger gefunden werden muss. Dabei kann ein Testament von einem Notar erstellt werden, welches als öffentliches Testament bezeichnet wird, oder eigenhändig erstellt werden, welches als eigenhändiges Testament bezeichnet wird. Durch eine amtliche Verwahrung des Testaments und des Erbvertrags beim Nachlassgericht soll die Aufbewahrung bis zum Tod und ein schnelles Auffinden nach dem Tod des Erblassers sichergestellt werden.

 

Ein notarielles Testament wird unmittelbar vom beurkundenden Notar bei dem Nachlassgericht in die besondere amtliche Verwahrung gegeben. Wird ein eigenhändiges Testament erstellt, kann der Aufbewahrungsort frei gewählt werden. Jedoch birgt dies die Gefahr, dass das Testament verloren geht und nach dem Tod des Erblassers nicht mehr aufgefunden wird. Daher kann der Erblasser auch ein eigenhändiges Testament in die besondere amtliche Verwahrung bei einem Nachlassgericht geben. Weiterhin können auch Erbverträge in die besondere amtliche Verwahrung gegeben werden, oder direkt zur Aufbewahrung beim Notar hinterlegt werden.

 

Wenn der Erblasser verstorben ist, ist jedes Testament, welches nicht in einer besonderen amtlichen Verwahrung ist, bei dem zuständigen Nachlassgericht abzuliefern. Das Nachlassgericht hat die Aufgabe, die Verfügung von Todes wegen zu eröffnen, sobald dieses vom Tod des Erblassers Kenntnis erlangt hat. Allen Beteiligten wird der Inhalt der Verfügung von Todes wegen bekannt gegeben.

 

In der Praxis wird eine Aufbewahrung beim Nachlassgericht empfohlen, da ein Verlust des Testaments die gesetzliche Erbfolge auslöst. Weiterhin besteht die Gefahr, dass eine vom Erblasser enterbte Person das Testament nach dem Tod des Erblassers verschwinden lässt, um sich auf diese Weise zu begünstigen.

 

Da es die höchste Menschenpflicht darstellt, den letzten Willen des Erblassers zu achten, ist jeder Mensch verpflichtet, ein Testament beim Nachlassgericht abzuliefern. Diese Pflicht begründet sich aus § 2259 I BGB. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob das Testament gültig oder widerrufen ist. Es ist auch egal, ob das Testament aufgrund von Formfehlern nichtig ist. In jedem Fall muss dieses Dokument beim zuständigen Nachlassgericht abgeliefert werden. Wird die Ablieferung unterlassen, kann dies zu einer Schadensersatzpflicht führen. Wobei dies eher theoretischer Natur ist, da der Sachverhalt des Nichtablieferns in der Praxis schwer zu beweisen ist. Ist das Nachlassgericht weit vom Wohnort der Erben entfernt, ist die Abgabepflicht erfüllt, wenn das Testament beim zuständigen Amtsgericht abgegeben wird.