Alleinerbe

Alleinerbe

 

Von einem Alleinerben wird gesprochen, wenn der Erblasser nur einen einzigen gesetzlichen Erben hinterlässt, oder eine einzige Person in seiner Verfügung von Todes wegen benennt. Der Alleinerbe hat, wie der Name bereits suggeriert, keine weiteren Erben. Dieser wird Rechtsnachfolger des Erblassers und erbt sämtliche Rechte und Pflichten des Erblassers. Die Bestimmung eines Alleinerben im Testament oder im Erbvertrag kann für den Erblasser problematisch sein, wenn noch weitere gesetzliche Erben vorhanden sind, welche automatisch per Gesetz pflichtteilsberechtigt sind. Eine vollständige Enterbung ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht möglich. Jedoch kann bis auf die Pflichtteile alles individuell auf nur einen Erben verteilt werden. Interessant ist auch der Zusammenhang, dass der Alleinerbe auch nur alleine Inhaber von sämtlichen Rechten und Pflichten wird, die Pflichtteilsberechtigten jedoch nicht Rechtsnachfolger werden und damit auch keine Rechte und Pflichten des Erblassers übernehmen. Nur der Alleinerbe tritt quasi in die Fußstapfen des Erblassers und wird Rechtsnachfolger. Pflichtteilsberechtigt sind die nahen Verwandten wie Ehefrau, eingetragener Lebenspartner, Eltern, Kinder, Enkel oder Großeltern. Weiter entfernte Verwandte sind nicht pflichtteilsberechtigt wie beispielsweise die Geschwister des Erblassers, Onkel, Tanke und deren Nachkommen.

 

Vorteilhaft bei einem Alleinerben ist die Tatsache, dass dieser ohne Mitwirkung von anderen über die Erbschaft verfügen kann. Es sind keine langwierigen Auseinandersetzungen wie bei einer Erbengemeinschaft erforderlich. Da bei einer Erbschaft jedoch sämtliche Rechte und Pflichten auf den Erblasser übergehen, erbt dieser nicht nur positiv vorhandenes Vermögen sondern auch Verbindlichkeiten, welche die Erbschaft mindern. Somit hat der Alleinerbe sich mit sämtlichen Gläubigern auseinander zu setzen, welche Ansprüche geltend machen. Zu einem Problem wird eine Erbschaft, wenn diese überschuldet ist. In diesem Fall sind die Verbindlichkeiten größer als die vorhandene Erbmasse. In einem solchen Fall kommt eine Ausschlagung der Erbschaft in Betracht. Dabei ist jedoch eine 6 Wochen Frist einzuhalten, welche mit der Kenntnis vom Todesfall beginnt. Es sind also zügig sämtliche Informationen über die finanziellen Verhältnisse des Erblassers einzuholen.

 

Bei den Nachlassverbindlichkeiten sind Erblasserschulden, wie beispielsweise Verbindlichkeiten aus Verträgen des Erblassers denkbar. Weiterhin wird zwischen Erbfallschulden und Nachlasskostenschulden unterschieden. Zu den Erbfallschulden zählen Pflichtteilsansprüche, Vermächtnisse, Auflagen, Beerdigungskosten und die Erbschaftssteuer. Zu den Nachlasskostenschulden werden die Kosten für die Nachlassverwaltung, Nachlassinsolvenz oder Nachlasspflegschaft gezählt.

 

Problematisch kann es für den Alleinerben auch werden, wenn die Erbschaft des Alleinerben vom Erblasser erheblich durch Schenkungen reduziert wurde. So kann ein Erblasser durchaus von einem Gesamtvermögen in Höhe von EUR 100.000,00 eine Summe von EUR 90.000,00 an eine Geliebte schenken und für den Erben verbleiben lediglich noch EUR 10.000,00. Weiterhin kann problematisch für den Alleinerben sein, wenn Pflichtteilsansprüche gegenüber dem Alleinerben geltend gemacht werden oder Vermächtnisse zu Gunsten Dritter bestehen. Ein großes Problem stellt eine Anfechtung des Testamentes durch Dritte dar. In solchen Konstellationen ist ein Rechtsbeistand zwingend erforderlich.

 

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