Die gesetzliche Erbfolge

Die Gesetzliche Erbfolge

Für den Fall, dass der Verstorbene kein Testament oder Erbvertrag hinterlassen hat, greift die gesetzliche Erbfolge. Über das deutsche Erbrecht bestehen oftmals falsche Vorstellungen. Überlebende Ehegatten sind nach einem Todesfall meist der Meinung, dass diese eine gemeinsame Immobilie alleine erben. Jedoch gibt es häufig Miterben, welche regelmäßig Miteigentümer werden. Dabei kann es sich um direkte Nachfahren wie beispielsweise Kinder oder weiter entfernte Verwandte des Verstorbenen handeln. Negativen Überraschungen des Erbrechtes lassen sich mit dem Aufsetzen eines Testaments beziehungsweise Erbvertrag reduzieren. Nun jedoch zum Thema der gesetzlichen Erbfolge.

Wenn ein Testament oder Erbvertrag fehlt, geht die gesetzliche Erbfolge immer von dem Grundsatz aus, dass Verwandte des Erblassers in einer ganz bestimmten Reihenfolge als Erben eintreten. Unter Eintreten versteht man hier, Träger von sämtlichen Rechten und Pflichten zu werden. Dabei ist anzumerken, dass nicht nur Guthaben vererbt werden können (Rechte), sondern auch Verbindlichkeiten (Pflichten). Gemäß §§ 1924 ff. des BGB erben Verwandte dann, wenn diese der dem Verstorbenen am nächsten stehenden Ordnung angehören. Dabei werden fünf Erbordnungen im Verwandtenerbrecht unterschieden. Ein Verwandter ist nicht zur Erbfolge berechtigt, wenn ein Verwandter der vorhergehenden Ordnung vorhanden ist. Verwandte der ersten Ordnung schließen somit alle anderen Verwandten anderer Ordnungen aus. Eine wichtige Ausnahme stellt das Ehegattenerbrecht, welches in einem weiteren Artikel behandelt wird, dar.

Unter Erben der ersten Ordnung versteht man die Abkömmlinge des Erblassers. Dies sind Kinder (einschließlich nichtehelicher und adoptierter Kinder), Enkel und Urenkel. Stiefkinder und Ziehkinder gehören nicht dazu.

Unter den Erben der zweiten Ordnung werden die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge zusammengefasst. Darunter versteht man Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Neffe, Nichte, Großneffe, und Großnichte. Wenn zum Zeitpunkt des Erbanfalls beide Elternteile noch leben, erben deren Kinder (Geschwister des Verstorbenen) nichts. Lebt ein Elternteil, erbt dieser 50% der Erbmasse und die anderen 50% werden auf die Geschwister aufgeteilt. Wenn keine Geschwister vorhanden sind, erbt der überlebende Elternteil alleine oder beide lebenden Elternteile jeder die Hälfte.

Unter den Erben der dritten Ordnung versteht man die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Dies sind der Großvater, Großmutter, Onkel, Tante, Cousine und Cousin.

Die vierte Ordnung beinhaltet die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Dabei handelt es sich um Urgroßvater, Urgroßmutter, Großonkel und Großtante.

Entferntere Voreltern des Erblassers und deren Abkömmlinge bilden abschließend die fünfte Ordnung.

Innerhalb einer Ordnung wird das Repräsentationsprinzip angewendet. Im Falle eines Erbfalls schließt ein lebender Angehöriger alle durch ihn mit dem Erblasser verwandten Personen aus. Ein überlebender Sohn schließt beispielsweise den Enkel von der Erbfolge aus.

Die Erbmasse wird je nach Ordnung unterschiedlich verteilt.

In der ersten Ordnung gilt das Stammesprinzip. Erben, die über denselben Verwandten mit dem Erblasser verwandt sind, bilden einen Stamm. Beispiel: Jedes Kind eines Erblassers bildet einen neuen Stamm. Dabei erben alle Stämme zu gleichen Teilen. Hat also ein Vater, welcher stirbt, drei Töchter oder Söhne, erben diese drei Töchter oder Söhne zu je ein Drittel. Annahme: Die Mutter ist bereits verstorben.

Bei der zweiten und dritten Ordnung wird das Erbrecht nach Linien angewendet. Dabei wird das Erbe auf beide Elternteile des Erblassers zu gleichen Teilen aufgeteilt. Beispiel: Eine Familie besteht aus Mutter, Vater und einem Kind. Das Kind stirbt im Alter von 25 Jahren und hinterlässt ein Vermögen in Höhe von EUR 200.000,00. Die Eltern erben jetzt jeweils zu gleichen Teilen, also jeder EUR 100.000,00. Anzumerken ist, dass Bruder und Schwester bei der Erbfolge ausgeschlossen sind, sofern die Eltern leben. Bei den Großeltern der dritten Ordnung gilt dieses Verfahren gleichermaßen. Hier wird auch zu gleichen Teilen, also auf alle vier Großelternteile aufgeteilt.

Bei der vierten Ordnung erbt nur noch derjenige alleine (zu 100 Prozent), welcher mit dem Erblasser am nächsten versandt ist. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die vierte Ordnung nur angewendet wird, wenn keine potentiellen Erben aus den vorherigen Ordnungen leben.

Eine interessante Besonderheit ist, dass bereits erbberechtigt ist, wer zum Zeitpunkt des Erbfalls noch nicht geboren, aber bereits gezeugt ist. Ein Fötus kann somit Erbe und damit Träger von Rechten und Pflichten aus der Erbmasse werden. Der Erbberechtigte wird jedoch in der Regel durch einen Leibesfruchtpfleger vertreten, bis der Erbe die Volljährigkeit erreicht hat.

Mehr Informationen rund ums Testament finden sie hier auf den folgenden Seiten

Ein Gedanke zu „Die gesetzliche Erbfolge“

Kommentare sind geschlossen.