Erbenermittler

Erbenermittler

 

Als Erbenermittlung wird die Suche nach den nächsten Verwandten eines Erblassers bezeichnet. Aus § 1960 BGB geht hervor, dass die Ermittlungspflicht der nächsten Verwandten dem Nachlassgericht oder dem vom Nachlassgericht eingesetzten Nachlasspfleger zusteht. Sollten die Beerdigungskosten den Wert des Nachlasses übersteigen, so ist es in Süddeutschland vorgesehen, dass das Nachlassgericht regelmäßig eine Erbenermittlung durchführt. Wenn eine Erbenermittlung erfolgreich durchgeführt wurde, ist für das Nachlassgericht die Erbfolge nachgewiesen und die ermittelten Erben können den Erbschein beantragen. Sollten keine gesetzlichen Erben ermittelt werden können, so fällt der gesamte Nachlass an den Staat. Hierfür kommt das Staatserbrecht zum tragen. Wenn der Nachlass des Erblassers ausschließlich aus Barvermögen oder kleineren hinterlegten Sachwerten besteht, so kommt der Nachlass in die gerichtliche Hinterlegung. Nachlasspfleger, Notare und Gerichte können für die Erbenermittlung auch Genealogen einschalten. Dies sind meistens Historiker und Juristen. Recherchen nach erbberechtigten Verwandten beispielsweise durch Flucht, Emigration und Migrationsströme, erfordern historische Kenntnisse. Erbenermittler werden auf Erfolgsbasis bezahlt und tragen alle anfallenden Kosten selber. Bei einer erfolgreichen Erbensuche beträgt die Vergütung zwischen 20 und 40 Prozent des Erbteils. Eine Bezahlung durch Vorkasse ist nicht vorgesehen. Das Honorar für den Erbenermittler wird erst nach Vorlage aller Erbnachweise bei Auszahlung des Nachlasses fällig. Als Erbnachweise werden Erbscheine und Testamente angesehen. Die Kosten für eine Erbenermittlung können die Erben bei der Erbschaftssteuer geltend machen, was die zu zahlende Erbschaftssteuer mindert.

 

Das Berufsbild des Erbenermittlers ist in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 100 Jahre alt. Dabei geht es vorrangig um die Suche unbekannter Erben und dabei insbesondere um die lückenlose urkundliche Dokumentation der Verwandtschaftsverhältnisse. Ursprünglich ging die Suche von unbekannten Erben auf die in Übersee verstorbenen Auswanderer zurück, deren Erben in der alten Heimat gesucht werden mussten. In der aktuellen Gegenwart beschäftigen sich die Erbenermittler jedoch mit dem Thema der Vertreibung während und nach dem II. Weltkrieg. Zahlreiche verwandtschaftliche Beziehungen gehen in die ehemaligen deutschen Ostgebiete zurück. Eine zunehmend anonymisierte Gesellschaft führt zu einem erhöhten Bedarf an Erbenermittlung.

 

Nicht nur die gesetzliche Erbfolge ist Gegenstand der Erbenermittlung, sondern auch die die Erbfolge aufgrund der letztwilligen Verfügung von Todes wegen. Wenn ein im Testament oder Erbvertrag benannter Erbe nicht auffindbar ist, kommen ebenfalls Erbenermittler zum Zuge. Erbenermittler haben die Möglichkeit, auf eigene Archive und Quellen zurückzugreifen, welche im Laufe der Tätigkeit angelegt wurden. Eine präzise Kenntnis von öffentlichen und privaten Konvoluten, Standesamt- und Meldeunterlagen sowie Unterlagen von Kirchen sind unverzichtbar. Weiterhin sind kaufmännische Kenntnisse, ein sehr hoher Grad an Mobilität und eine sehr intensive Reisetätigkeit sowie Fremdsprachenkenntnisse erforderlich. Oftmals sind alte Dokumente in alten Schriften verfasst, welche gelesen werden müssen. Weiterhin ist zu erwähnen, dass eine Erbenermittlung sich über Jahre hinziehen kann.

 

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