Erbschaft bei Patchworkfamilien

Erbschaft bei Patchworkfamilien

 

Im Normalfall wird das Vermögen der Eltern gleichmäßig unter den Kindern aufgeteilt. Bei einer Patchworkfamilie kann die gesetzliche Erbfolge aber durchaus negative Auswirkungen auf die Erbquoten haben. Die traditionelle Familie besteht aus zwei verheirateten Eltern und gemeinsamen Abkommen. Wenn ein Familienmitglied stirbt, dann ist auch ohne ein Testament schnell klar, wer was erbt. In der Praxis ist es jedoch so, dass mittlerweile über zehn Prozent aller Kinder in Patchworkfamilien leben. Das Problem bezüglich einer Erbschaft ist, dass das deutsche Erbrecht nur leibliche oder adoptierte Kinder kennt. Bringen Partner Kinder aus früheren Beziehungen mit, dann gelten diese als Stiefkinder. Selbst wenn der leibliche Elternteil mit dem neuen Partner verheiratet ist, dann ist das Kind nicht mit dem Stiefvater oder der Stiefmutter verwandt. Das bedeutet, dass diese Kinder im Todesfall keinerlei Ansprüche auf eine Erbschaft geltend machen können. Damit bleibt nur die Möglichkeit einer Adoption oder einer Erwähnung im Testament oder Erbvertrag oder ein Vermächtnis, um Stiefkinder bei einer Erbschaft beteiligen zu können. Für eine Erbschaft ist entscheidend, wer zuerst verstirbt.

 

Beispiel. Die Frau bringt einen Sohn mit in die Ehe, der Vater eine Tochter. Wenn der Vater verstirbt, ohne ein Testament oder einen Erbschaftsvertrag zu hinterlassen, erbt 50% die Ehefrau und 50% gehen an die Tochter des verstorbenen Vaters. Der Sohn der Mutter geht leer aus, da dieser nur das Stiefkind ist und nicht adoptiert wurde. Dafür bekommt der Sohn dann später, wenn die Mutter verstirbt, das komplette Vermögen der Mutter. Das schließt den Teil ein, welchen die Mutter vom Ehemann (Stiefvater) übernommen hat. Schlussendlich landen also 75% des Vermögens beim Sohn.

 

Beispiel 2. Wenn aus der Ehe noch ein weiterer gemeinsamer Sohn hervorgeht, sieht die Erbenkonstellation noch anders aus. Der Vater verstirbt, seine Tochter und der gemeinsame Sohn werden 25% erben. Die anderen 50% gehen an die Mutter. Somit bekommt der Sohn der Mutter zunächst wieder nichts und geht leer aus. Nach dem Tod der Mutter wird das Vermögen zu 50% auf den Sohn der Mutter und auf den gemeinsamen Sohn aufgeteilt. Die Tochter bekommt nichts. Dieses mal profitiert dabei das gemeinsame Kind, bei welchem sich 50% des Vermögens sammeln. Die Tochter erbt schlussendlich 12,5%. Wäre anstelle des Vaters die Mutter zuerst verstorben, würde die Tochter das dreifache erhalten.

 

Soweit zu den Regeln der gesetzlichen Erbfolge. Wenn die Eltern das gemeinsame Vermögen anders verteilen wollen, muss dies frühzeitig geregelt werden. Dabei stellt das Berliner Testament eine Möglichkeit für Patchworkfamilien dar. Die Ehepartner setzen sich gegenseitig als Alleinerben ein. Zugleich wird bestimmt, wie das Erbe auf die Kinder verteilt wird, wenn der letzte Elternteil verstorben ist. Somit kann geregelt werden, dass alle drei Kinder gleich viel bekommen. Das wäre dann jeweils 1/3 des Nachlassvermögens.

 

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