Erbschaftssteuer

Erbschaftssteuer

 

Wie viel ein Erbe an Erbschaftssteuer in Deutschland zahlen muss, beziehungsweise ob dieser überhaupt zur Erbschaftssteuer veranlagt wird, hängt im Wesentlichen vom Verwandtschaftsverhältnis des Erben zu dem Erblasser ab. Als Rechtsgrundlage zur Ermittlung der Erbschaftssteuer wird das Erbschafts- und Schenkungssteuergesetz (ErbStG) herangezogen. Es handelt sich bei der Erbschaftssteuer immer um eine Erbanfallsteuer. Dieses bedeutet, dass die Steuer beim Erben erhoben wird und dessen Erbe sich um einen individuellen Steuersatz reduziert. Im Gegensatz zur Erbanfallsteuer wird bei der Nachlasssteuer das anfallende Erbe pauschal besteuert, bevor die Erben dieses erhalten. Diese Vorgehensweise ist in den USA gebräuchlich.

 

Bei der Berechnung der Erbschaftssteuer werden in Deutschland drei Steuerklassen unterschieden. Die Steuerklasse I ist für nahe Verwandte und die ehelichen Lebenspartner als Erben vorgesehen.  Somit gehören hier die Ehegatten, Lebenspartner, Kinder, Enkelkinder, Stiefkinder, Adoptivkinder, Eltern und Großeltern rein. In die Steuerklasse II kommen entfernte Verwandte und ehemalige Lebenspartner. Hier gehören also Geschwister, Kinder der Geschwister, Stiefeltern und Schwiegereltern rein. Die Steuerklasse III findet bei allen sonstigen Erben Anwendung, welche mit dem Erblasser nicht verwandt sind.

 

Dabei kann festgehalten werden, dass bei jeder Steuerklasse unterschiedliche Steuersätze und Freibeträge zur Anwendung kommen. Grundsätzlich gilt, dass je dichter das Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen ist, desto höher fallen die Freibeträge auf die zu zahlende Erbschaftssteuer aus und desto geringer sind die individuellen Steuersätze. Weiterhin hängen alle Steuersätze von der Höhe der Erbmasse ab.

 

Erbmasse Steuerklasse I Steuerklasse II Steuerklasse III
bis EUR 75.000 7 % 15 % 30 %
bis EUR 300.000 11 % 20 % 30 %
bis EUR 600.000 15 % 25 % 30 %
bis EUR 6.000.000 19 % 30 % 30 %
bis EUR 13.000.000 23 % 35 % 50 %
bis EUR 26.000.000 27 % 40 % 50 %
ab EUR 26.000.000 30 % 43 % 50 %

 

Personengruppe Freibetrag
Ehegatten, Lebenspartner EUR 500.000
Kinder EUR 400.000
Kinder der Kinder EUR 200.000
Eltern und Großeltern und sonstige Steuerklasse I EUR 100.000
Geschwister, Schwiegereltern und Personen der Steuerklasse II EUR 20.000
Personen der Steuerklasse III EUR 20.000

 

Bei Sachwerten wie Immobilien, Edelmetallen, Schmuck, Autos oder einer teuren Inneneinrichtung wird der Wert zum Todestag ermittelt. Dabei gilt, dass der Wert der Sachgüter dem Verkehrswert der Sachgüter am Todestag entspricht. Im Falle einer Schenkung gilt der Tag der Überlassung als Stichtag.

 

Bei der Wertermittlung von Wertpapieren wie beispielsweise Aktien, Zertifikate, Anleihen oder sonstigen Wertpapieren gelten die gleichen Regelungen wie bei den Sachwerten.Der Wert der Wertpapiere entspricht dem Verkehrswert zum Todestag.

 

Es gelten je nach Situation bestimmte Freibeträge. Hausrat bis zu einer Höhe von EUR 41.000 wird nicht besteuert, wenn sich der Erbe in der Steuerklasse I befindet. Grundbesitz ist ebenfalls von der Erbschaftssteuer befreit, wenn dieses dem Allgemeinwohl dient, frei zugänglich ist und die Kosten die Einnahmen übersteigen. Eine Erbschaft, welche ausschließlich an eine kirchliche, mildtätige oder gemeinnützigen Einrichtung zukommt, ist ebenfalls von der Steuer befreit. Ebenso auch selbstgenutzter Wohnraum, welcher vom Erblasser der Steuerklasse I kommt. Der Erbe ist verpflichtet die geerbte Immobilie weitere 10 Jahre zu bewohnen. Wenn eine solche Immobilie an die Kinder geht, dann darf die Fläche der Immobilie eine Gesamtfläche von 200 Quadratmeter nicht übersteigen.

 

Bei betrieblichem Vermögen kann festgehalten werden, dass 15 Prozent der Erbschaftssteuer unterliegen. Dieser Betrag wird Abzugsbetrag genannt. Sollte dieser nicht größer als EUR 150.000 sein, dann ist dieser ebenfalls steuerfrei. Ist der Abzugsbetrag größer als EUR 150.000 und das Unternehmen hat mehr als 20 Mitarbeiter angestellt, muss das Unternehmen mindestens fünf Jahre lang fortgeführt werden. Zusätzlich gilt die Bedingung, dass die addierte Lohnsumme das Vierfache der Ausgangslohnsumme betragen muss. Sind alle Bedingungen erfüllt, ist das vererbte Unternehmen steuerfrei.

 

Als zweite Variante kann das Unternehmen auch zehn Jahre lang fortgeführt werden. Dabei muss das siebenfache der Lohnsummer erreicht werden, damit das geerbte Unternehmen als steuerfrei angesehen wird.

 

Weiterhin gibt es die Besonderheit des Versorgungsfreibetrages. Dabei erhalten Kinder zusätzlich zum eigentlichen Freibetrag einen Versorgungsfreibetrag bei der Berechnung der Erbschaftssteuer. Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn der Verstorbene ein Elternteil oder ein Teil der Adoptiveltern war. Der Versorgungsbetrag ist abhängig vom Alter des Kindes, welches Erbe werden soll. Ein Kind bis zum fünften Lebensjahr erhält einen Versorgungsfreibetrag in Höhe von EUR 52.000. Kinder zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr EUR 41.000. Zwischen dem 11 und 15 Lebensjahr werden noch EUR 30.700 als Freibetrag angerechnet. Jugendliche zwischen dem 16 und 20 Lebensjahr erhalten einen Versorgungsfreibetrag in Höhe von EUR 20.500 und zwischen dem 21 bis 27 Lebensjahr gibt es noch EUR 10.300. Ab dem 28 Lebensjahr steht kein Versorgungsfreibetrag mehr zur Verfügung.

 

Wichtig zu wissen ist, dass sämtliche Freibeträge jährlich neu gelten. Somit können diese mehrmals genutzt werden. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn große Vermögen übertragen werden sollen.

 

Der persönliche Nachlass ist steuerfrei. Dazu zählen beispielsweise Tagebücher, Schmuck, Kleidung und sonstiger Hausrat. Jedoch besteht eine große Grauzone. So kann es durchaus sein, dass der Gutachter wertvollen Schmuck nicht zum persönlichen Nachlass zählt und dieses damit der Steuerpflicht unterliegt. Gleiches gilt für ein Auto. Dieses kann zum persönlichen Nachlass zählen, kann aber auch eine Kapitalanlage darstellen. So wird ein 5 Jahre alter Toyota sicher anders beurteilt als ein 4 Jahre alter Porsche 911. Bilder im Haus des verstorbenen können durchaus ebenfalls wertvoll sein, obwohl sie zum Zeitpunkt des Erwerbes nur einen geringen Wert aufgewiesen haben.

 

Zu der Verjährungsfrist kann festgehalten werden, dass die Erbschaftssteuer fünf Jahre nach dem Folgejahr, in dem der Steuerbescheid zugestellt worden ist, verjährt. Dabei sollte man jedoch wissen, dass die Verjährungsfrist durchaus von Amts wegen unterbrochen werden kann.

 

Ansprechpartner für die Erhebung der Erbschaftssteuer ist das zuständige Wohnsitzfinanzamt des Erblassers.