Erbschaftssteuer bei Auslandsvermögen

Erbschaftssteuer bei Auslandsvermögen

 

Die Globalisierung ist ein Thema, mit welchem sich nicht nur Unternehmen beschäftigen müssen, sondern auch Privatpersonen. Die Globalisierung hat Einfluss auf die Vermögensplanung und damit auch auf das Erbschaftsrecht und die Erbschaftssteuer des Erblassers. Es spielt eine Rolle, ob der Erblasser die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt oder als Ausländer eingestuft wird. Weiterhin ist es von erheblicher Bedeutung, in welchem Land das zu vererbende Vermögen ist.

 

Wie bereits dargestellt, wird nach § 2 I ErbStG zwischen unbeschränkter und beschränkter Erbschaftssteuerpflicht unterschieden. Unbeschränkt erbschaftsteuerpflichtig sind natürliche Personen und Körperschaften, welche im Inland ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort, Geschäftsleitung oder Firmensitz haben. Als Rechtsfolge greift das Weltvermögensprinzip. Das heißt: Der Erbschaftssteuer unterliegt das gesamte in- und ausländische Vermögen. Beschränkt erbschaftssteuerpflichtig sind natürliche Personen oder Körperschaften, welche im Ausland ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort oder ihre Geschäftsleitung oder Firmensitz haben. Hier unterliegt nur das Inlandsvermögen der deutschen Erbschaftssteuer.

 

Beispiel: Ein Erblasser, welcher seit 20 Jahren auf Mallorca lebt, hinterlässt eine Finca, ein Sparguthaben in Höhe von 50.000 EUR bei einer renommierten deutschen Privatbank und ein vermietetes Einfamilienhaus in München. Der Erblasser hinterlässt seine Ehefrau, welche ebenfalls auf Mallorca wohnt und einen Sohn, welcher in München lebt.

 

Der Sohn ist als deutscher Staatsbürger und ständigem Wohnsitz in München als Inländer eingestuft und damit unbeschränkt mit dem Welteinkommen steuerpflichtig. Zuständig für die Erbschaftssteuer für den Sohn ist das Wohnsitzfinanzamt, also das Finanzamt in München. Der Anteil des Erbes, welchen der Sohn erhält, ist somit in Deutschland erbschaftssteuerpflichtig. Das schließt den auf den Sohn entfallenden Anteil der Finca auf Mallorca ein. Bei der Ehefrau sieht die steuerliche Situation anders aus. Diese lebt auf Mallorca und ist damit nicht mit ihrem Wohnsitz in Deutschland gemeldet. Ihr ständiger Aufenthalt liegt auch nicht in Deutschland, sondern auf Mallorca. Somit gilt sie als Steuerausländer. Damit ist sie beschränkt steuerpflichtig. Und zwar nur mit dem Vermögen, welches sich in Deutschland befindet. Das wäre dann der Teil des Einfamilienhauses und der Teil des Sparguthabens, welcher auf sie entfällt. Ihr Anteil der Finca ist hingegen komplett steuerfrei. Der Sohn hingegen muss wegen des Weltvermögensprinzips alle Vermögenswerte in Deutschland der Erbschaftssteuer unterwerfen. Somit ist dieser steuerlich schlechter gestellt als seine Mutter. Weiterhin ist festzuhalten, dass für den Sohn zusätzliche Steuern im jeweiligen Land anfallen können, wo Auslandsvermögen liegt. Grundbesitz im Ausland unterliegt den Erbschaftsteuerregeln des jeweiligen Landes. Um den Nachteil der Doppelbesteuerung zu vermeiden, hat die Bundesrepublik Deutschland mit zahlreichen Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. In Doppelbesteuerungsabkommen beschränken die Staaten auf der Grundlage der Gegenseitigkeit ihre Besteuerungsrechte.

 

Zusammengefasst gilt folgendes. Bisher hat jeder EU Staat sein Erbschaftsrecht selber geregelt. Da auf diese Weise eine Vielzahl von Rechtslagen vorherrschen, wird eine Vereinfachung angestrebt. Die uneinheitlichen Regelungen werden abgeschafft und nach dem neuen EU Erbrecht wird verstärkt auf den letzten Wohnsitz abgestellt. Das EU Erbrecht gilt somit dann, wenn der Erblasser oder sein Ehepartner Ausländer sind und der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes im Ausland lebte oder wenn der Erblasser über Vermögen im Ausland verfügt. Wenn eines der Kriterien zutrifft, treten die EU- ErbRVO Anordnungen in Kraft. Dadurch wird die gesamte Struktur der Regelungen bezüglich der Ansprüche der Erben untereinander und zum Erblasser verändert. Dies kann für den betroffenen Erben und Erblasser Chancen aber auch Risiken bedeuten.

 

Die Änderungen gelten nur, wenn der Erblasser seinen letzten gewöhnlichen Aufenthalt oder Wohnsitz im Ausland hatte. Besteht jedoch nur Auslandsvermögen, dann wird weiterhin deutsches Erbrecht angewendet. Nur wenn der letzte gewöhnliche Aufenthalt oder Wohnsitz im Ausland lag, wird ausländisches Erbrecht angewendet. Um dieses zu vermeiden, muss im Testament oder Erbvertrag, welcher die Erbfolge regelt, festgehalten werden, dass deutsches Erbrecht gelten soll. Der Erblasser hat dabei grundsätzlich die Wahl zwischen dem Recht des Wohnsitzstaates und dem Recht des Staates, dem der Erblasser zuvor angehört hat.

 

Es besteht somit auch die Chance, Vorteile aus einem ausländischen Erbrecht für sich geltend zu machen. Jedoch sollte hierfür eine juristische Beratung bezüglich internationalem Erbrecht in Anspruch genommen werden, da nur ein Rechtsanwalt hier die jeweiligen Vor- und Nachteile und die Auswirkungen der jeweiligen Erbrechte in Bezug zu dem deutschen Erbrecht vergleichen kann.