Gleichzeitiges Versterben

Gleichzeitiges Versterben

 

 

Wenn in einem Ehegatten Testament vom gleichzeitigen Tod oder gleichzeitigen Versterben die Rede ist, ist damit der Fall definiert, dass die Eheleute wirklich gleichzeitig sterben. Gleichzeitig sterben bedeutet in der selben Sekunde. Problematisch ist dieser Sachverhalt bei Unfällen. Hier muss festgestellt werden, wer zuerst gestorben ist. Kann dies nicht ermittelt werden, wird die Gleichzeitigkeit des Versterbens vom Gesetz vermutet. Dies kommt jedoch selten vor. Wenn dies vorkommen sollte, können sich die Ehegatten nicht gegenseitig beerben. Man muss mindestens eine Sekunde länger gelebt haben, wenn man Erbe des anderen werden will oder soll. Dies kann sehr große Auswirkungen auf die gesetzliche Erbfolge haben. Ist beispielsweise ein Ehepaar, welches kinderlos ist, verstorben, so werden entweder die Angehörigen der Ehefrau Erbe oder die Angehörigen des Ehemanns. Je nachdem, wer eine Sekunde länger gelebt hat. Somit erben entweder die Eltern der Ehefrau, wenn diese selber noch leben, oder die Eltern des Ehemanns. Die jeweiligen Schwiegereltern würden komplett leer ausgehen.

 

Ist in einem Ehegattentestament die Erbfolge bei gleichzeitigem Versterben geregelt, kann eine solche Klausel auch darin auszulegen sein, dass diese gelten soll, wenn die Ehegatten kurz nacheinander versterben. Dann würden, wie oben beschrieben, die eingesetzten Erben Nacherben des Erstversterbenden und unmittelbare Erben des Überlebenden.

 

Die Formulierung des gleichzeitigen Ablebens besitzt einen engen Anwendungsbereich. Gleichzeitig bedeutet, dass mehrere Ereignisse zur selben Zeit eintreten. Der gleichzeitige Tod mehrerer untereinander erbberechtigter Personen führt dazu, dass keiner des anderen Erbe werden kann. In erbrechtlicher Hinsicht kann von einem gleichzeitigen Tod also nur die Rede sein, wenn die untereinander erbberechtigten Personen im gleichen Bruchteil einer Sekunden, was zur selben Zeit bedeutet, sterben. Dies geht aus einem Urteil des Bayrischen Oberlandesgerichtes hervor. Näheres hierzu siehe BayObLGZ 96, 243, 247, BayObLG FGPrax 04,80.

 

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Begriff gleichzeitig keine Grenze bei der Auslegung einer letztwilligen Verfügung setzt. Es gilt der Grundsatz, das der letzte wirkliche Wille des Erblassers umzusetzen ist. Somit haben seine eindeutigen Anordnungen in einem Testament immer Vorrang.

 

Von Bedeutung ist eine solche Regelung im Testament, wenn beispielsweise große Vermögen an junge Kinder vererbt werden. Es ist in diesem Zusammenhang die Frage zu klären, wer das Geld bis zur Volljährigkeit des Kindes verwalten soll. Fehlen Regelungen, werden die Entscheidung im Falle eines gleichzeitigen Versterbens vom Staat getroffen. Weiterhin muss nicht nur die finanzielle Verwaltung des Vermögens für das Kind geregelt werden, es muss auch die Vormundschaft der Kinder geregelt werden. Es ist eventuell sinnvoll, ganz besonders dann, wenn kein nennenswertes Vermögen vorhanden ist, eine Risikolebensversicherung für die finanzielle Absicherung der Kinder abzuschließen. Das ermöglicht ein finanzielles Überleben, bis die Kinder erwachsen sind und sichert im Idealfall noch die Ausbildungskosten ab.

 

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