Großer und Kleiner Pflichtteil

Großer und Kleiner Pflichtteil

 

Im Folgenden soll der Unterschied zwischen dem Großen und dem Kleinen Pflichtteil aufgezeigt werden. Wenn kein gültiges Testament vom Erblasser errichtet wurde, so greift immer die gesetzliche Erbfolge. Das hat zur Folge, dass die nächsten Verwandten und der Ehegatte erben und ihren gesetzlichen Erbteil erhalten. Dabei ist die Höhe des gesetzlichen Erbteils vom Verwandtschaftsgrad und der Personenzahl abhängig, welche erbberechtigt sind. Weiterhin können Erben mit einem gesetzlichen Erbteil zusätzlich weitere Pflichtteilsansprüche haben. Das wird dann eintreten, wenn der das tatsächliche Erbe zu gering ist und der Pflichtteilsanspruch höher ausfällt. Das tatsächliche Erbe fällt dann gering aus, wenn der Erblasser zu Lebzeiten bereits große Teile seines Vermögens verschenkt hat. Ist ein gültiges Testament vorhanden, so gelten die Bestimmungen, welche im Testament vereinbart worden sind und die gesetzliche Erbfolge steht hinter diesen Bestimmungen zurück. Erben kann demzufolge nur, wer durch die Anordnung des Erblassers im Testament zum Erben berufen worden ist. Wird im Testament ein Kind, Enkel oder Ehegatte von der Erbfolge ausgeschlossen, kann dieser Angehörige seinen gesetzlichen Pflichtteil einfordern. Hierbei sind frühere Schenkungen an die jeweilige Person jedoch mit einzurechnen. Bei den Pflichteilen wird der Große und der Kleine Pflichtteil unterschieden.

 

Für die Höhe des Pflichtteils des überlebenden Ehegatten ist wie bei der gesetzlichen Erbfolge entscheidend, in welchem Güterstand die Eheleute lebten. Lebten die Eheleute in der Zugewinngemeinschaft, so erhöht sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um den pauschalen Zugewinnausgleich in Höhe von 1/4. Kommt es nach dem Tode eines Ehegatten zur Geltendmachung des Pflichtteils, ist im Falle der Zugewinngemeinschaft zwischen dem sogenannten großen und kleinen Pflichtteil zu unterscheiden. Der große Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen um dem pauschalisierten Zugewinn erhöhten Erbteils. Der kleine Pflichtteil hingegen beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils ohne den pauschalisierten Zugewinn, aber zuzüglich des tatsächlichen Zugewinns.

 

Ein Beispiel soll diesen Zusammenhang nun verdeutlichen. Ein Ehepaar lebt im Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Es sind zwei Kinder vorhanden. Der Ehemann verstirbt und hinterlässt ein Vermögen in Höhe von EUR 100.000. Ein Testament mit entsprechenden Regelungen ist nicht vorhanden. Die Ehefrau erhält als gesetzliche Erbin neben den beiden Kindern 1/4 vom Nachlass und dazu 1/4 als Zugewinnausgleich. Insgesamt erhält sie demzufolge 1/2 des Erbes.

 

Der Ehegatte muss nach dem Tod des Erblassers entscheiden, ob er den großen oder den kleinen Pflichtteil geltend machen möchte. Maßgebend für die Entscheidung ist die Höhe des Zugewinns. Ist der Zugewinn groß, kann es für den überlebenden Ehegatten günstiger sein, das Erbe auszuschlagen und den konkreten Zugewinn zuzüglich des kleinen Pflichtteils geltend zu machen. Hierzu sind Vergleichsrechnungen erforderlich.

 

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