Gutachterkosten

Gutachterkosten

 

Gutachterkosten können bei der Berechnung der Erbschaftssteuer abgezogen werden. Hierzu gehören insbesondere Sachverständigenkosten zur Bewertung von Nachlassgrundstücken, welche bei einer Erbauseinandersetzung mit mehreren Erben als Nachlassverbindlichkeiten berücksichtigt werden können.

 

In der Praxis kommen Gutachterkosten hauptsächlich während gerichtlicher Prozesse oder außergerichtlicher juristischer Auseinandersetzungen vor, da häufig eine Stellungnahme von Sachverständigen erforderlich ist. Die Gutachten von Gutachtern sind erforderlich, um einen unabhängigen Wert der jeweiligen Vermögensgegenstände ermitteln zu können. Es kann vorkommen, dass je nach Vermögensgegenstand verschiedene Gutachter hinzugezogen werden müssen, da sich jeder Gutachter auf unterschiedliche Vermögensgegenstände spezialisiert hat. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die Bezeichnung Gutachter keine geschützte Berufsbezeichnung darstellt. Das bedeutet im Umkehrschluss für die Erben eine erhöhte Sorgfaltspflicht bei der Auswahl der Gutachtern. Die Bezeichnung Sachverständiger ist jedoch eine geschützte Berufsbezeichnung und wird ausschließlich von offiziell anerkannten Sachverständigen geführt.

 

Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen ist es üblich, dass der Verlierer eines Prozesses die Verfahrenskosten übernimmt. Hierzu werden auch die Gutachterkosten gezählt. Da die Kosten durchaus beachtlich sind, ist es gut zu wissen, dass diese als Nachlassverbindlichkeiten im Rahmen der Erbschaftssteuererklärung abgezogen werden können.

 

Beispiel: Es existieren mehrere Immobilien und eine Erbengemeinschaft aus mehreren Erben. Ein Miterbe ist Kläger und die Miterben müssen sich über die Immobilien auseinandersetzen. Für die Vorbereitung der Auseinandersetzung holten die Miterben Sachverständigengutachten über Grundstückswerte ein. Bei der Festsetzung der Erbschaftsteuer berücksichtigte das Finanzamt nur die auf den Kläger entfallenden Kosten für die Umschreibung der Immobilien im Grundbuch. Anfallende Gutachterkosten sowie die zur Erbauseinandersetzung anfallende Notar- und Anwaltskosten wurden vom Finanzamt als nicht abzugsfähig anerkannt. Der Kläger hatte die Kosten im Rahmen einer Teilerbauseinandersetzung über die Immobilien und die ihm persönlich entstandenen Anwaltskosten für die Auseinandersetzung vollständig bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Erwerbs absetzen wollen. Es kam zu einer Revision, welcher von dem Bundesfinanzhof stattgegeben wurde. Als Nachlassverbindlichkeiten sind unter anderen Kosten, die dem Erwerb unmittelbar im Zusammenhang mit der Abwicklung, Regelung und der Verteilung des Nachlasses entstehen, abzugsfähig. Dabei wurde festgehalten, dass zu den Kosten des Nachlasses die Kosten im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft gehören. Dazu werden die Auslagen eines Gutachters, der die Nachlassgegenstände bewertet, gezählt. Wenn Grundbesitz vorhanden ist, werden die Notariats- und Gerichtskosten, Aufwendung für anwaltliche Beratung und außergerichtliche sowie gerichtliche Vertretung des jeweiligen Miterben zuzüglich Gerichtskosten berücksichtigt. Dabei ist es egal, ob eine gewillkürte oder gesetzliche Erbfolge vorliegt.

 

Obwohl Gutachten kostspielig sind, wird dringend empfohlen, diese einzuholen. Nur durch Gutachten erhält man wertvolle Informationen über den tatsächlichen Wert eines Gegenstandes und deren Beschaffenheit. Bei Grundstücken und Immobilien kann gleichzeitig zum Wert die Bausubstanz festgestellt werden. Dies ist auch wichtig bezüglich Haftungsfragen bei einem Verkauf der Immobilie.

 

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