Internationale Nachlassvollmacht

Internationale Nachlassvollmacht

 

Im Gegensatz zu Deutschland werden in vielen Ländern umfassende Generalvollmachten nicht anerkannt. Selbst die Anerkennung eines in Deutschland ausgestellten Erbscheins führt im Ausland zu Problemen. Damit die Erben oder der Testamentsvollstrecker trotzdem sofort handlungsfähig sind, sollte der Erblasser eine internationale Nachlassvollmacht als Spezialvollmacht für den jeweils einzelnen, möglichst präzise beschriebenen ausländischen Vermögenswert erteilen. Dass dies nur erforderlich ist, wenn Vermögen im Ausland vorhanden ist, versteht sich von selber. Zu beachten ist dabei zusätzlich, dass in vielen ausländischen Rechtsordnungen, ganz im Gegensatz in Deutschland, Vollmachten mit dem Tode des Erblassers erlöschen. Darum sollten die Vollmachten daher im Rahmen der Rechtsformwahl ausdrücklich das deutsche Recht bestimmen oder bei Anwendung des ausländischen Rechts sicherstellen, dass der beabsichtigte Zweck der Gestaltung über den Tod hinaus sichergestellt ist. Dabei ist die transmortale Vollmacht zu bevorzugen, weil diese bereits zu Lebzeiten des Erblassers wirksam ist und sich daher im Ausland Probleme wie der Nachweis des Todes nicht stellen. Diese gilt bereits zu Lebzeiten des Erblassers und über den Tod hinaus. Damit haben die Erben und Testamentsvollstrecker eine sofortige Verfügungsgewalt über den im Ausland befindlichen Nachlass. Bei der postmortalen Nachlassvollmacht tritt die Verfügungsgewalt über das im Ausland befindliche Nachlassvermögen erst nach dem Tod ein. Jedoch gibt es bei der postmortalen Nachlassvollmacht das Problem, dass die Erben oder der Testamentsvollstrecker einen Nachweis erbringen müssen, dass der Erblasser tatsächlich verstorben ist. Dies ist machbar, jedoch mit unnötigem Aufwand verbunden, was die Nachlassabwicklung verzögert.

 

Weiterhin ist aber zu berücksichtigen, dass eine internationale Nachlassvollmacht kein Testament ersetzt, sondern nur als Ergänzung zur letztwilligen Verfügung von Todes wegen anzusehen ist. Mit der Hilfe der Internationalen Nachlassvollmacht sollte es zu keine Problemen bei der Übertragung des ausländischen Vermögens kommen.

 

Bei der Ausgestaltung einer internationalen Nachlassvollmacht sollte darauf geachtet werden, dass diese auf den individuellen Fall des Erblassers abgestimmt ist. Weiterhin gelten ein paar allgemeine Regeln. Hierzu gehört, dass als Rechtswahl nach Möglichkeit deutsches Recht vereinbart wird. Dies liegt daran, dass im Ausland die Vollmachten meistens mit dem Tod des Erblassers erlöschen. Da die Generalvollmacht im Ausland oft nicht anerkannt wird, muss diese als Spezialvollmacht für einen bestimmten Vermögensgegenstand formuliert werden. Weiterhin müssen die Befugnisse des Bevollmächtigen umfassend fixiert werden. Bei internationalen Vollmachten ist es weiterhin wichtig, dass diese zweisprachig abgefasst werden. Dadurch können die Betroffenen eine Verzögerung bei der Übertragung des Vermögens wegen möglicher Übersetzungen vermeiden. Es ist darauf zu achten, dass der Vollmachtgeber eindeutig identifiziert werden kann. Gerade Kreditinstitute haben ihre Kontrollen hierbei aufgrund des Geldwäschegesetzes verschärft. Da der Bevollmächtigte umfassende Befugnisse erlangt, sind Nachlassvollmachten nur absoluten Vertrauenspersonen einzuräumen. Es wird empfohlen, dass der Vollmachtgeber sich zur Absicherung ein Widerrufsrecht vorbehält.

 

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