Intestaterbfolge

Intestaterbfolge

 

Der Begriff der Intestaterfolge beschreibt die gesetzliche Erbfolge. Wenn der Erblasser keine letztwillige Verfügung von Todes wegen erstellt hat, so tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Der Erblasser hat die Möglichkeit, seine letztwillige Verfügung von Todes wegen mit Hilfe eines Testaments oder eines Erbvertrages zu regeln.

 

Der Begriff der Intestaterbfolge kommt dabei aus dem römischen Erbrecht und entspricht der römischen Vorstellung von der agnatischen Familie. Ursprünglich waren nach dem römischen Recht nur die Agnaten erbberechtigt. Dabei handelte es sich um Personen, die in demselben Hausverband leben, wenn der gemeinsame Vater oder Vorfahre noch lebt. Verwandten von mütterlicher Seite werden als Kognaten bezeichnet. Wenn kein Testament vorhanden ist, dann sind die Agnaten erbberechtigt. Der Begriff der Intestaterbfolge wurde im Laufe der Zeit erweitert, sodass auch Cognaten erben konnten. Unter den Cognaten werden ganz allgemein die Blutsverwandten bezeichnet. Die Intestaterbfolge sah vor, dass zuerst die Eltern oder, wenn diese verstorben waren, die Kinder zu gleichen Teilen erbberechtigt waren. Wenn ein Kind bereits verstorben war und bereits eigene Nachkommen hinterlassen hat, dann haben diese das Erbe erhalten und waren somit erbberechtigt. Das war die Gruppe der sui heredes. Wenn niemand aus dieser Linie vorhanden war, so haben die Geschwister und Großeltern, Onkel und Tanten die Möglichkeit erhalten, die Erbschaft anzutreten. Diese Gruppe wurde  als Agnaten bezeichnet. Jedoch hat das römische Recht vorgesehen, dass weibliche Verwandte von der Erbschaft ausgeschlossen sind. Eine Ausnahme war hier die Schwester. Wenn auch keine Agnaten als Erben vorhanden waren, so hat der Staat geerbt. Es wird also deutlich, dass unser deutsches Erbrecht sich in den Grundzügen bezüglich der gesetzlichen Erbfolge an das alte römische Recht hält und das Prinzip der Intestaterbfolge übernommen hat. Das hat zur Folge, dass der alte Begriff der Intestaterbfolge auch heute noch als juristischer Begriff im deutschen Erbrecht Verwendung findet.

 

Wenn nach römischen Recht ein gültiges Testament vorlag, so war die Intestaterbfolge komplett aufgehoben und die testamentarische Erbfolge trat anstelle der gesetzlichen Erbfolge. Wenn nicht das gesamte Erbe im Testament verteilt wurde, so wurde der Rest der Erbschaft über die Regelungen der gesetzlichen Erbfolge aufgeteilt. Im römischen Recht waren nur mündige römische Bürger zur Errichtung eines Testaments berechtigt, im Gegensatz zu heute. In der Anfangszeit konnten auch keine Frauen als Erbe eingesetzt werden, jedoch wurde diese strenge Form aufgeweicht, sodass diese auch Erbe werden konnten. Grundsätzlich konnten aber nur mündige römische Bürger Erbe werden. Auch das Prinzip der Ersatzerben sowie Vor- und Nacherben war im römischen Recht bereits bekannt. Waren keine Erben mehr vorhanden, so trat automatisch die Intestaterbfolge ein.

 

Der römische Staat hat eine Erbschaftsteuer in Höhe von 5% erhoben. Weiterhin existierte ein Verfahren zur Testamentseröffnung, worin die Wirksamkeit des Testaments nachgewiesen werden musste.  Der Nachweis ist also ähnlich wie im modernen deutschen Erbrecht, wo die Wirksamkeit der Testierfähigkeit geprüft wird. Das Prinzip der Erbschaftssteuer sowie eine testamentarische Regelung in Sachen Erbschaft sind auch heute im deutschen Erbschafts- und Schenkungssteuerrecht vorhanden, was den engen Bezug zum alten römischen Recht unterstreicht. Insgesamt kann festgehalten werden, dass unser modernes deutsches Erbrecht in seinen Grundzügen auf dem alten römischen Erbrecht gründet.

 

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