Italienisches Erbrecht I

Italienisches Erbrecht I

 

im italienischen Erbrecht ist auch, wie im deutschen Erbrecht, eine Unterscheidung zwischen der gesetzlichen und der gewillkürten Erbfolge möglich. Somit hat der testierfähige Erblasser die Möglichkeit, seine Rechtsnachfolge für den Todesfall in einem Testament zu regeln. Wenn der Erblasser kein Testament abgefasst hat, so wird im Erbfall die gesetzliche Erbfolge nach Art. 456 ff. Codice Civile (CC) greifen. Somit sind die ersten Parallelen zwischen dem italienischen und dem deutschen Erbrecht aufgezeigt. Diese sind dann von Bedeutung, wenn ein Angehöriger italienischer Abstammung ist und in der Familie auch Angehörige deutscher Abstammung sind, welche als Erben in Betracht kommen können. Kommt es zu einem grenzüberschreitenden Erbfall, so sind die Regelungen aus dem italienischen Erbrecht zu berücksichtigen.

 

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen dem italienischen und dem deutschen Erbrecht besteht darin, dass in beiden Rechtsordnungen die Universalsukzession bei einer Erbfolge angewendet wird. Damit wird der Erbe in Italien genauso wie der Erbe in Deutschland alle Rechte und Pflichten des Erblassers übernehmen.

 

Wenn ein Erblasser in Italien kein Testament hinterlassen hat, so richtet sich die Erbfolge in Italien nach der gesetzlich vorgeschriebenen Reihenfolge. Das Codice Civile unterscheidet insgesamt fünf Gruppen von gesetzlichen Erben. Dabei können zur Erbfolge der überlebende Ehegatte, die Nachkommen des Erblassers, Verwandte des Erblassers, die Eltern des Erblassers (sofern diese noch leben) und deren Nachkommen (Schwestern und Brüder), die Seitenverwandten und andere Verwandte bis zum 6. Grad berufen werden. Sind keine Verwandte oder überlebende Ehegatten vorhanden, so wird letzten Endes der Staat erben gem. Art. 565 CC. Wenn Kinder vorhanden sind, so werden diese alle anderen lebenden Verwandten von der Erbfolge ausschließen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kinder immer zu gleichen Teilen erben gem. Art. 566 CC. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass adoptierte Kinder den ehelichen Kindern in der Erbfolge gleichgestellt sind gem. Art. 567 CC. Wenn ein Kind seine Erbschaft ausschlägt oder nicht mehr am Leben ist, so werden seine Nachkommen in die Erbfolge eintreten, sofern welche vorhanden sind. Dies ist in Art. 467 CC geregelt. Wenn ein Erblasser keine Nachkommen hinterlassen hat, kommen die Eltern des Erblassers und eventuell vorhandene Geschwister zum Zuge. Diese erben zu gleichen Teilen. Der Teil, welcher auf die Eltern entfällt, darf dabei jedoch nicht geringer als die Hälfte des Nachlasses sein. Dies geht aus Art. 571 CC hervor. Somit werden die Eltern immer mindestens die Hälfte des Nachlassvermögens erhalten. Wenn keine Eltern vorhanden sind, werden die Geschwister zu gleichen Teilen gem. Art. 570 CC erben. Wenn der Erblasser verstirbt und keine Nachkommen, Eltern oder Geschwister hinterlässt, so werden zu einer Hälfte die Vorfahren der väterlichen Linie und zur anderen Hälfte die Vorfahren der mütterlichen Linie als Erbe in Frage kommen gem. Art. 569 CC. Verwandte über den sechsen Grad hinaus sind nicht erbberechtigt. Dies ist in Art. 572 CC geregelt.

 

Diese Kenntnisse sind zu beachten, wenn ein Erblasser, welcher in Deutschland lebt, zum Erblasser wird und Verwandte in Italien hat. So muss eine deutsche Ehefrau diese Regelungen berücksichtigen, da hier ein grenzüberschreitender Erbfall vorliegen würde.

 

Wenn der Erblasser einen Ehegatten und ein Kind hinterlässt, so erbt im italienischen Recht der Ehegatte nach Art. 581 CC die Hälfte des Nachlasses. Wenn mehrere Kinder des Erblassers vorhanden sind und zum Erben berufen sind, so wird der Ehegatte ein Drittel der Erbschaft erhalten.

 

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