Italienisches Erbrecht II

Italienisches Erbrecht II

 

Dies ist der zweite Teil des Beitrages zum italienischen Erbrecht (Teil I hier). Auch eine gewillkürte Erbfolge ist in Italien denkbar. Wenn das 18. Lebensjahr vollendet ist, so kann nach italienischem Recht ein Testament verfasst werden und somit eine individuelle Erbfolge, welche von der gesetzlichen Erbfolge abweichen kann, festgelegt werden. Siehe hierzu Art. 587 CC.

 

Ein wichtiger Unterschied zum deutschen Erbrecht ist, dass es im italienischen Erbrecht keinen Erbvertrag und auch kein gemeinschaftliches Testament gibt. Somit kennt das italienische Erbrecht auch kein Ehegattentestament wie in Deutschland. Zur Erinnerung: Das Ehegattentestament (gemeinschaftliches Testament zwischen Eheleuten) existiert in der Ausprägung des Berliner Testaments. Dieses wurde ausführlich in einem anderen Artikel behandelt.

 

Der Erblasser in Italien kann sein Testament als eigenhändiges Testament errichten. Damit dieses Testament dann auch wirksam ist, muss das Testament vom Erblasser komplett mit der Hand geschrieben, datiert und unterschrieben sein. Dies ist in Art. 602 CC geregelt. Diese Regelung ist analog dem deutschen Erbrecht. Auch hier gilt ein eigenhändiges Testament nur dann als juristisch gültig, wenn dieses per Hand geschrieben, datiert und unterschrieben wurde. Jedoch kann der Erblasser in Italien auch die Hilfe eines Notars in Anspruch nehmen. Das notarielle Testament existiert dabei in Italien in zwei Formen. Es wird zwischen dem öffentlichen Testament und dem geheimen Testament unterschieden. Diese Begrifflichkeiten und Unterschiede sind dem deutschen Erbrecht nicht bekannt.

 

Das öffentliche Testament wird vom Notar in der Gegenwart zweier Zeugen aufgenommen. Dies geht aus Art. 603 CC hervor. Das geheime Testament wird vom Erblasser oder einem Dritten geschrieben und dann dem Notar unter der Anwesenheit von zwei Zeugen übergeben. Der Inhalt ist dabei dem Notar unbekannt. Dies ist in Art. 604 und 605 CC geregelt.

 

Dem Erblasser ist es möglich, durch sein Testament sein ganzes Vermögen oder auch nur Teile seines Vermögens auf einen oder auch mehreren Erben zu übertragen. Genau wie im deutschen Recht ist es möglich, dass der Erblasser in seinem Testament Bedingungen oder Auflagen nennt, welche durch die Erben zu erfüllen sind. Weiterhin ist es möglich, in einem italienischen Testament ein Vermächtnis einzubauen, Ersatzerben zu bestimmen oder einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen. Dies ist in den Art. 688 ff. und Art. 700 ff. CC geregelt. Jedoch kennt auch das italienische Erbrecht, genau wie das deutsche Erbrecht, das Pflichtteilsrecht für nahe Angehörige und den Ehepartner des Erblassers. Wenn der Erblasser seine Kinder und deren Abkömmlinge, seinen Ehepartner oder seine ehelichen Vorfahren im Testament von der Erbfolge ausschließt, dann wird den genannten Personengruppen nach Art. 536 CC ein Noterbrecht gewährt. Von der Begrifflichkeit entspricht das Noterbrecht dem Pflichtteilsrecht in Deutschland. Dabei ist der Pflichtteil in Italien abhängig von der Zahl der Pflichtteilsberechtigten und ihrem Verwandtschaftsverhältnis zum Erblasser. Dabei beträgt der Pflichtteil des Ehegatten die Hälfte des Erblasservermögens. Wenn ein Kind des Erblassers hinzukommt, so beträgt der Pflichtteil 1/3 des Erblasservermögens. Wenn mehrere Kinder des Erblassers zusätzlich zum Ehepartner vorhanden sind, so beträgt der Pflichtteil 1/4 des Erblasservermögens. Wenn der Erblasser nur ein Kind hinterlässt und dieses gleichzeitig von der Erbfolge ausgeschlossen ist, so wird das Kind die Hälfte des Nachlassvermögens nach Art. 537 I CC erhalten. Mehrere Kinder erhalten gemeinsam 2/3 des Nachlassvermögens und müssen diesen Pflichtteil anschließend zu gleichen Teilen untereinander aufteilen. Dies geht aus Art. 537 II CC hervor.

 

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