Lesensunkundiger Erblasser

Lesensunkundiger Erblasser

 

Ein Testament kann in der Bundesrepublik Deutschland auf zwei Wege errichtet werden. Erstens gibt es das handschriftliche Testament, welches vom Erblasser persönlich abgefasst wird, und zweitens gibt es das notarielle Testament, welches öffentlich vor einem Notar errichtet wird. Neben diesen beiden ordentlichen Formen der Testamentserstellung ist weiterhin die Erstellung eines Nottestaments möglich. Problematisch kann es für einen Erblasser werden, welcher nicht lesen kann. In diesem Fall ist ausschließlich die Erstellung eines öffentlichen Testaments möglich. § 2247 Abs. 4 BGB sieht vor, dass lesensunkundige Erblasser ausschließlich vor einem amtlich anerkannten Notar ihren letzten Willen testieren können, wobei die Übergabe eines Testaments zulässig ist. Der Erblasser muss dem Notar gegenüber seinen letzten Willen ausdrücklich erklären. Erst dann kann der amtlich anerkannte Notar für den lesensunkundigen Erblasser ein rechtskräftiges Testament errichten. Das deutsche Gesetzt sieht Analphabeten als lesensunkundig an. Weiterhin existieren zahlreiche Krankheitsbilder, welche es dem Betroffenen unmöglich machen, Schriftstücke zu lesen. Demzufolge sind Blinde mit einer Makula-Degeneration oder Blinde mit Glaukomschäden sowie Menschen, welche unter starken Beeinträchtigungen noch etwas lesen können, davon betroffen. Selbst wenn diese Personengruppen mithilfe von Technik wie der Blindenschreibmaschine oder einem PC mit starker Vergrößerung noch lesen können, so können diese nicht einfach ein eigenhändiges Testament erstellen. Dafür ist die Hilfe eines amtlich anerkannten Notars erforderlich. Wenn es sich um eine Person handelt, welche taubstumm und erblindet ist, muss nach §§ 22,25 BurkG ein zweiter Notar oder ein weiterer Zeuge bei der öffentlichen Errichtung des Testaments anwesend sein. Der weitere Zeuge kann auch eine Vertrauensperson des Testatros sein. Jedoch ist dieser untersagt, einen rechtlichen Vorteil aus dem Erbe zu erhalten. Somit kann die Vertrauensperson nicht Erbe werden oder ein Vermächtnis erhalten. Weiterhin ist es möglich, dass der Erblasser seinen Gebärdendolmetscher hinzuzieht, sofern er einen solchen hat. Dieser kann die Kommunikation zwischen dem Notar und dem Testamentsersteller deutlich erleichtern. Menschen, welche einen Schlaganfall erlitten haben, und keine geistigen Schäden haben, sondern vielleicht nur motorische Fähigkeiten verloren haben oder durch den Schlaganfall nicht mehr lesen können, müssen ebenfalls den Notar aufsuchen. Es gibt also eine Vielzahl von Möglichkeiten, warum ein Mensch nicht mehr lesen oder schreiben kann.

 

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass alle gebrechlichen Menschen ihren letzten Willen errichten können. Grundvoraussetzung ist immer, dass die Testierfähigkeit vorliegt. Dies ist in § 2229 BGB geregelt. Krankhafte Störungen der Geistestätigkeit oder Bewusstseinsstörungen dürfen nach den Buchstaben des Gesetzes nicht vorliegen, wenn eine Person, welche mindestens 16 Jahre alt ist, ein Testament errichten will. Damit muss der Verfasser des Testaments zum Zeitpunkt der Errichtung seines letzten Willens den Sinn und Zweck seines Handelns vollständig erfassen können. Wenn die Testierende Person diese Grundvoraussetzungen erfüllt, dann steht einer wirksamen Errichtung eines Testaments nichts im Wege.

 

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