Nachlassverbindlichkeiten

Nachlassverbindlichkeiten

 

In der Vorstellung der meisten Menschen existiert die Annahme, dass eine Erbschaft immer mit plötzlichen Reichtum oder zumindest etwas Wohlstand verbunden ist. Jedoch kann ein Erbe auch verschuldet gewesen sein, was zur Folge hat, dass Schulden vererbt werden. Nach außen hin ist dies für die Erben nicht immer erkennbar. So kann der Erblasser in einem schönen Einfamilienhaus gewohnt haben und einen Porsche in der Einfahrt gehabt haben, über die Finanzierung dieser Assets wird jedoch nichts in Erscheinung treten. Es kann also auch vorkommen, dass das schöne Einfamilienhaus und der Porsche mit Krediten finanziert wurden und somit gar kein reelles Nachlassvermögen zum Vererben zur Verfügung steht. Die Erben sind daher gut beraten, den Nachlass sofort gründlich im Hinblick auf eventuelle Verbindlichkeiten zu prüfen. Dafür haben die Erben eine Frist von sechs Wochen ab Kenntniserlangung des Todes. Von Bedeutung ist die Prüfung deshalb, da die Erben im Rahmen der Universalsukzession sämtliche Rechte und Pflichten des Erblassers übernehmen. Somit sind die Erben für die Begleichung der Verbindlichkeiten im Namen des Erblassers verantwortlich und haften auch mit ihrem Privatvermögen dafür. Wenn der Erbe die Prüfungsfrist von sechs Wochen einfach verstreichen lässt, beispielsweise aus Unwissenheit, so erklärt dieser sich grundsätzlich mit der Erbschaft einverstanden und nimmt das Erben stillschweigend an. Falls sich erst nach den sechs Wochen herausstellt, dass der Nachlass überschuldet ist, besteht noch die Chance, eine Nachlassinsolvenz zu beantragen, was die persönliche Haftung mit dem Privatvermögen vermeidet. Jedoch ziehen sich Nachlassinsolvenzen über einen langen Zeitraum hin. In der Bundesrepublik Deutschland werden die Nachlassverbindlichkeiten in verschiedene Kategorien eingeteilt. Ausschließlich der Zeitpunkt der Entstehung ist für die Unterscheidung der Nachlassverbindlichkeiten von Bedeutung. Schulden, welche der Erblasser zu Lebzeiten gemacht hat, werden Erblasserschulden genannt. Diese werden an die Erben weiter gegeben und zu den Nachlassverbindlichkeiten gerechnet. Persönliche Pflichten des verstorbenen Erblassers, wie beispielsweise Unterhaltspflichten erlöschen gem. § 1615 BGB mit dem Tod des Erblassers und fließen nicht in die Nachlassverbindlichkeiten ein. Der Erbe ist somit von persönlichkeitsbezogene Pflichten des Erblassers befreit. Die Erbfallschulden gehören ebenfalls zu den Nachlassverbindlichkeiten. Aus § 1967 II BGB geht hervor, dass es sich dabei um Nachlassverbindlichkeiten handelt, die nicht zu den Erblasserschulden zählen, jedoch die Erben betreffen. Diese Schulden entstehen erst durch den Anfall einer Erbschaft und müssen auch von den Erben übernommen werden. Als Beispiel für die Erblasserschulden können die Kosten einer ordnungsgemäßen Bestattung des Erblassers gezählt werden. Nachlassverwaltungskosten können ebenfalls zu den Nachlassverbindlichkeiten gezählt werden, wenn eine Nachlassverwaltung durch den Erblasser in seiner letztwilligen Verfügung von Todes wegen vereinbart wurde. Weiterhin muss bei Anfall einer Erbschaft immer das zuständige Nachlassgericht informiert werden, was ebenfalls Kosten verursacht und welche zu den Nachlassverbindlichkeiten gezählt werden. Dies sind ebenfalls Nachlassverwaltungskosten.

 

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