Nachlassverwaltung

Nachlassverwaltung

 

Eine Nachlassverwaltung wird vom Erblasser angeordnet. Dieses wird der Erblasser in seiner letztwilligen Verfügung von Todes wegen formulieren. Jedoch ist es auch möglich, dass ein Erbe eine Nachlassverwaltung beim zuständigen Nachlassgericht beantragt. Wenn das zuständige Nachlassverwaltungsgericht dem Antrag auf Nachlassverwaltung statt gibt und eine Nachlassverwaltung anordnet, wird der Erbe als Rechtsfolge die Befugnis, über das Vermögen frei verfügen zu können, verlieren.

 

Weiterhin ist der Nacherbe in einem Nacherbfall aus § 2144 BGB, der Erbschaftserwerber gem. § 2383 BGB, der Testamentsvollstrecker nach § 317 InsO, sämtliche Miterben einer Erbengemeinschaft aus § 2062 BGB und der Nachlassgläubiger gem. § 1981 BGB dazu berechtigt, eine Nachlassverwaltung beim Nachlassverwaltungsgericht zu beantragen.

 

Die Nachlassverwaltung hat das Ziel, den Erben oder die Erben einer Erbengemeinschaft bei einer möglichen Verschuldung des Nachlasses des Erblassers vor einer Haftung bezüglich des Privatvermögens zu schützen. Daher kann festgehalten werden, dass eine Nachlassverwaltung immer dann angeordnet wird, wenn nicht klar ist, ob das zu vererbende Vermögen ausreichen wird, um eventuell vorhandene Schulden begleichen zu können. Durch die Nachlassverwaltung wird die Haftung ausschließlich auf das Vermögen des Nachlasses beschränkt. Da die Nachlassverwaltung meistens nur bei verschuldeten Vermögen angewendet wird, kommt in der Praxis häufig ein Nachlassinsolvenzverfahren im Anschluss an die Nachlassverwaltung. Weiterhin kann erwähnt werden, dass die Nachlassverwaltung auch bei unübersichtlichen Vermögensverhältnissen des Erblassers angewendet wird. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn im Nachlass umfangreiche Auslandsimmobilien in verschiedenen Ländern und ein Wertpapierdepot mit vielen verschiedenen internationalen Aktien vorhanden sind. Weiterhin könnte das Nachlassvermögen noch mit Depots in verschiedenen Ländern und Fremdwährungskonten diversifiziert sein. Bei einer solchen internationalen Vermögenslage ist es unklar, welches Erbrecht Anwendung findet. Daher ist auch bei Vorlage von unübersichtlichen Vermögenswerten eine Nachlassverwaltung zum empfehlen. Das Gegenteil zur Nachlassverwaltung stellt die Nachlasspflegschaft dar. Diese dient nur dem Schutz und der Verwaltung des Vermögens des Erblassers. Auch hier kann die Haftung auf die Erben beschränkt werden. Jedoch sind die Nachlassvermögen in der Praxis meistens nicht überschuldet.

 

Die Nachlassverwaltung stellt die bessere Wahl im Vergleich zur Erbausschlagung dar. Die Erbausschlagung ermöglicht jedoch auch eine Begrenzung der Haftung auf das Privatvermögen. Bei einer Ausschlagung des Erbes können die Erben jedoch keinerlei Ansprüche mehr an das Erbe stellen. Daher ist eine Nachlassverwaltung durchaus vorzuziehen, da diese ebenfalls das Privatvermögen schützt, aber noch Zugriff auf das Erbe ermöglicht. Das ist dann wichtig, wenn die Verbindlichkeiten beglichen wurden und noch Vermögenswerte der Erbschaft vorhanden sein sollten.

 

Bezüglich der Vergütung ist festzustellen, dass die Nachlassverwaltung nicht kostenlos durchgeführt wird. Das Nachlassgericht wird bei jedem Fall eine angemessene Vergütung bewilligen. Die Höhe der Kosten ist von dem Umfang und der Betreuung des Nachlassvermögens durch das zuständige Nachlassverwaltungsgericht abhängig.

 

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