Österreichisches Nachlassverfahren

Österreichisches Nachlassverfahren

 

Bei einem Todesfall wird das Vermögen eines Menschen als Nachlass unter den Hinterbliebenen aufgeteilt. Dabei entscheidet das Erbrecht über die Art und Weise der Aufteilung, wenn kein Testament vorhanden sein sollte. Da nicht alle ihren Nachlass über ein Testament regeln, kann festgehalten werden, dass das Erbrecht ein wesentlicher Bestandteil des Rechtssystems eines jeden Landes ist. In der Bundesrepublik Österreich gilt dieses ebenso wie in der Bundesrepublik Deutschland. Bei den Nachlassverfahren gibt es erhebliche Unterschiede, welche sich bereits anhand einer vollkommenen unterschiedlichen Namensgebung zeigen. Die Österreicher sprechen bezüglich des Erbrechtes von Verlassenschaftsverfahren und Einantwortung.

 

Das zuständige Bezirksgericht in der Bundesrepublik Österreich ist für die Verlassenschaftsverfahren zuständig. Dabei geht es darum, den genauen Vermögensstand des verstorbenen Erblassers festzustellen. Der Name Verlassenschaftsverfahren ist entstanden, weil in der Bundesrepublik Österreich das Erbe als Verlassenschaft bezeichnet wird. Es wird in der Bundesrepublik Österreich ein Vorverfahren durchgeführt, in welcher die Todesfallaufnahme und die Übergabe aller letztwilligen Verfügungen an den zuständigen Gerichtskommissar vorgenommen wird. Weiterhin wird anschließend eine Verlassenschaftsabhandlung durchgeführt. Dabei erhalten die Erben die Aufforderung von den zuständigen Behörden, ihr Erbrecht zu belegen und eine Erbantrittserklärung gegenüber den zuständigen Behörden der Bundesrepublik Österreich abzugeben. Mit einer Erbantrittserklärung kann dabei nicht nur das Erbe angenommen, sondern auch ausgeschlagen werden.

 

Nach Abgabe einer solchen Erklärung wird diese vom Gerichtskommissar überprüft. Nach einer erfolgreichen Überprüfung, wird eine Einantwortung an das Verlassenschaftsverfahren durchgeführt. In der Bundesrepublik Österreich wird dabei der Übergang des Nachlasses auf die Erben als Einantwortung bezeichnet. Die Einantwortung stellt dabei das Äquivalent zum Nachlassverfahren der Bundesrepublik Deutschland dar. Weiterhin wird die Einantwortung als hoheitlicher Akt bezeichnet. Rechtskräftig wird die Einantwortung durch einen gesonderten Beschluss.

 

Zur Anwendung kommt das österreichische Erbrecht auch dann, wenn ein Österreicher verstirbt und in Deutschland seinen Wohnsitz hatte oder auch gleichzeitig die deutsche Staatsbürgerschaft besaß. Wenn Grundbesitz in der Erbmasse vorhanden ist, dann wird grundsätzlich hierauf deutsches Erbrecht angewendet. Damit wird eine Nachlassspaltung durchgeführt. ein Teil des Nachlasses wird nach österreichischer Gesetzgebung und ein Teil des Nachlasses nach deutscher Gesetzgebung behandelt. Wenn unbewegliches Vermögen in Österreich vorhanden ist, so ist ein Verlassenschaftsverfahren in Österreich durchzuführen. Dieses gilt auch bei beweglichen Vermögen, wenn sich das Vermögen in Österreich befindet und der Erblasser weiterhin die österreichische Staatsbürgerschaft hatte oder zuletzt in der Bundesrepublik Österreich wohnhaft war. Wenn bewegliches Vermögen vorhanden ist, welches nicht in der Bundesrepublik Österreich ist, wird dieses nicht dem österreichischem Verlassenschaftsverfahren unterworfen. Anderes gilt nur dann, wenn der Erblasser im Zeitpunkt seines Todes österreichischer Staatsbürger war und gleichzeitig in der Bundesrepublik Österreich wohnhaft war. Aufgrund der komplexen Struktur des österreichischen Erbrechts ist in jedem Fall juristische Hilfe einzuholen.

 

Mehr Informationen rund ums Testament finden sie hier auf den folgenden Seiten