Scheidung und Erbe

Scheidung und Erbe

 

Ungefähr 50 % aller Ehen werden geschieden. Damit ist dieses ein Szenario, mit welchem sich jeder beschäftigen muss, falls die Absicht einer Heirat besteht. Dabei kann festgehalten werden, dass eine Scheidung bereits nach den ersten paar Jahren der Ehe durchgeführt wird. Persönliche Differenzen und Streitigkeiten über den ehelichen Besitz müssen im Rahmen eines Scheidungsverfahrens geklärt werden, was nicht selten zu einem Rosenkrieg ausartet. Die wenigsten Menschen denken bei einer Scheidung an die weitreichenden Folgen und wissen nicht, dass der ehemaliger Ehegatte unter Umständen sogar erbrechtliche Ansprüche am Nachlass des ehemaligen Ehepartners geltend machen kann. Bis zur endgültigen Scheidung gilt der Ehepartner als Erbe. Wenn also einer der beiden Partner verstirbt und die Scheidung dabei noch nicht rechtskräftig war, wird der noch verbleibende Ehegatte nicht beteiligt. Nach dem Erbrecht der Bundesrepublik Deutschland erhält der noch Ehepartner seinen Anteil am Erbe, da die Scheidung noch nicht rechtskräftig ist. Dabei ist es unerheblich, dass die Scheidung bereits eingereicht wurde. Wichtig ist nur, dass diese noch nicht vollzogen worden ist. Wenn die Scheidung vollzogen ist, dann wird der ehemalige Ehepartner nach der gesetzlichen Erbfolge benachteiligt. Sollte ein Testament vorhanden sein, so greift die gesetzliche Erbfolge nicht. Daher ist es zwingend notwendig, dass bei einer Scheidung auch bestehende Testamente überprüft werden. Denn grundsätzlich kann hier jeder Beliebige zum Erbe bestimmt werden. Meistens wird bei den Testamenten der überlebende Ehegatte zum Erben bestimmt. Bei einer vollzogenen Scheidung bleibt dieser weiterhin Erbe und wird am Nachlass entsprechend beteiligt. Für den Übergang der Scheidung sollte im Testament bereits vermerkt werden, dass der zukünftige ehemalige Ehepartner nicht Erbe werden soll. Jedoch kann der zukünftige ehemalige Ehepartner nicht vollständig enterbt werden. Den Anspruch auf den Pflichtteil behält der ehemalige Ehepartner so lange, bis die Scheidung per Gericht vollzogen worden ist. Erst wenn die Scheidung vollständig vollzogen worden ist, fällt auch der Anspruch auf den Pflichtteil weg. Sämtliche erbrechtliche Ansprüche sind dann erloschen. Das liegt daran, dass in der Bundesrepublik Deutschland das Verwandtenrecht über die gesetzliche Erbfolge entscheidet und zwei Partner nur durch die Ehe in einem Verwandtschaftsverhältnis stehen, dass auch eine Pflichtteilsberechtigung beinhaltet. Nach einer Scheidung existiert diese Ehe jedoch nicht mehr, sodass die Grundlage für einen juristischen Anspruch auf einen Erbteil erlischt. Weiterhin kann sich ein ehemaliger Partner auch über eventuell vorhandene gemeinsame Kinder Zugang zum Erbe verschaffen. Falls der verstorbene Erblasser mit seinem ehemaligen Ehegatten gemeinsame Kinder hat und diese zum Zeitpunkt des Todes noch minderjährig sind, hat der Trennungspartner und damit noch lebende Elternteil die Vermögenssorge und kann folglich auch über die Erbschaft des gemeinsamen Kindes verfügen.

 

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