Schenken oder Vererben?

Schenken oder Vererben?

 

Die Frage Schenken oder Vererben ist für besonders große Vermögen interessant. Es werden verschiedene Freibeträge bezüglich des Erbschafts- und Schenkungssteuerrechtes unterschieden. Ehepartner und Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft haben einen Freibetrag in Höhe von 500.000,00 EUR. Kinder, Enkelkinder, deren Eltern verstorben sind, sowie Stief- und Adoptivkinder haben einen Freibetrag in Höhe von 400.000,00 EUR. Enkelkinder kommen noch auf einen Freibetrag in Höhe von 200.000,00 EUR. Wenn die zu vererbenden Vermögen innerhalb dieser Grenzen sind, dann sind keine strategischen Überlegungen bezüglich einer Schenkung anzustellen. Sollten es sich jedoch bei einem Erblasser um größere Vermögen handeln, dann sollte ein Erblasser überlegen, ob er einen Teil seines Vermögen bereits zu Lebzeiten an seine Erben verschenkt. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass grundsätzlich alle Vermögensgegenstände mit ihrem jeweiligen Wert zu erfassen sind. Die jeweiligen Freibeträge, welche im Erbschaftsfall gelten, sind gleichzeitig alle 10 Jahre als Schenkungsfreibetrag gültig. Somit kann eine Schenkung alle 10 Jahre durchgeführt werden, um so die zu versteuernde Erbmasse strategisch zu reduzieren.

 

Beispiel: Ein Erblasser hat ein Gesamtvermögen in Höhe von 800.000,00 EUR. Darunter befindet sich ein eigengenutztes Einfamilienhaus in Höhe von 300.000,00 EUR, ein Wertpapierdepot in Höhe von 300.000,00 EUR und Kontoguthaben in Höhe von 200.000,00 EUR. Es besteht nur ein Enkel als Erbe.

 

Bei Tod des Erblassers kann der Enkel einen Freibetrag in Höhe von 200.000,00 EUR ausschöpfen. Somit müsste ein Gesamtbetrag in Höhe von 600.000,00 EUR mit einem Erbschaftssteuersatz in Höhe von 15% aus der Steuerklasse I beim zuständigen Wohnsitzfinanzamt versteuert werden. Insgesamt fallen 90.000,00 EUR Steuern an.

 

Wenn der Erblasser nun rechtzeitig vor seinem Ableben einen Teil seines Vermögens an den Enkel überträgt, kann die Steuerlast deutlich reduziert werden. Es ist also festzuhalten, dass mit der persönlichen Nachlassplanung frühzeitig begonnen werden muss, um innerhalb der Familie die Steuerbelastung so gering wie möglich ausfallen zu lassen. So kann in unserem Fall alle 10 Jahre ein Vermögen in Höhe von 200.000,00 EUR als Freibetrag an den Enkel steuerfrei übertragen werden. Wenn das 3 mal gemacht wird, also 30 Jahre vor dem Ableben, so sind 600.000,00 EUR steuerfrei übertragen worden. Es sind dann nur noch 200.000,00 EUR vorhanden, welche bei Tod vererbt werden, und diese sind im Idealfall steuerfrei. Diese sind dann steuerfrei, wenn der Tod 10 Jahre nach der letzten Schenkung eintritt. Tritt der Tod vor Ablauf der 10 Jahre ein, sind die verbleibenden 200.000,00 EUR ebenfalls zu versteuern. Dabei wird dann ein Steuersatz von 11% in der Steuerklasse I fällig. Somit sind 22.000,00 EUR an das Finanzamt als Erbschaftssteuer abzuführen.