Schulden erben

Schulden erben

 

Durch einen Erbfall werden nicht nur Sachwerte und Geldwerte vererbt, sondern auch bestehende Schulden des Erblassers. Wenn Schulden in Form offener Rechnungen, offenen Krediten oder anderen Forderungen vorhanden sind, werden diese mit einem Erbe automatisch mit vererbt. Aufgrund der Universalsukzession gehen sämtliche Vermögen und Verbindlichkeiten als Ganzes auf den oder die Erben über. Wenn die Forderungen der Gläubiger den Wert des ererbten Vermögens übersteigen, haftet der Erbe bezüglich der Schulden sogar mit seinem Privatvermögen. Jedoch kann die Haftung auf die in der Erbmasse vorhandenen Vermögensgegenstände beschränkt werden. Eine Möglichkeit, wie das Erben von Schulden verhindert werden kann, besteht im Ausschlagen der Erbschaft. Innerhalb von 6 Wochen nach Kenntnisnahme der Erbschaft muss die Ausschlagung erfolgen. Dabei wird die Ausschlagung schriftlich gegenüber dem Nachlassgericht oder einem Notar abgegeben. Ohne Ausschlagung wird die Erbschaft automatisch angenommen, inklusive Schulden. Jedoch gibt es das Problem, dass nicht immer gleich erkennbar ist, ob im Nachlass Schulden vorhanden sind oder nicht. Weiterhin ist nicht immer erkennbar, ob die Schulden das Vermögen übersteigen oder nicht. Nach einer Schutzfrist von drei Monaten ist der Erbe verpflichtet, den Forderungen der Gläubiger nachzukommen. Das gilt auch dann, wenn die Erbschaft bereits aufgebraucht ist. Es ist in diesem Fall besonders wichtig, dass das private Vermögen vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt wird und damit die Haftung auf den Nachlass beschränkt wird. Um dieses zu erreichen, wird bei einem Notar oder bei einem Nachlassgericht eine Nachlassverwaltung beantragt. Der Nachlassverwalter wird dann die berechtigten Forderungen der Gläubiger bezahlen und ein eventuelles Restvermögen an die Erben auszahlen. Wenn die Schulden nicht vollständig abgezahlt werden können, dann wird nicht mit dem Privatvermögen dafür gehaftet. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Nachlassinsolvenzverfahren beim Insolvenzgericht zu beantragen. Dabei ist das Nachlassgericht zuständig, wo der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte. Das beantragte Nachlassinsolvenzverfahren bewirkt ebenfalls eine Beschränkung der Haftung für die Schulden, sodass das Privatvermögen des Erben oder der Erbengemeinschaft geschützt ist. Das Nachlassinsolvenzverfahren sollte schon dann beantragt werden, wenn beim Nachlass die Vermutung auftritt, dass die Schulden höher als das vorhandene Vermögen sein könnten. Das rechtzeitige Beantragen gilt als Schutz, damit das Privatvermögen der Erben nicht angetastet wird. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, das Erbe komplett auszuschlagen. Dann wird die betreffende Person nicht Erbe und nicht Träger von Rechten und Pflichten und damit nicht Rechtsnachfolger des Erblassers. Das Recht, die Erbschaft auszuschlagen, ist ebenfalls vererblich. Das bedeutet, dass wenn beispielsweise ein Familienvater das Erbe ausschlagen möchte und auf dem Weg zum Gericht verunglückt, sein Kind nun das Erbe ausschlagen muss. Beziehungsweise dem Kind als nächsten Erben steht es frei, das Erbe anzunehmen oder auszuschlagen. Nach erfolgreicher Ausschlagung verliert der Erbe sämtliche Ansprüche auf die Erbschaft. Damit ist der ehemalige Erbe auch nicht mehr berechtigt, seinen Pflichtteil einzufordern. Schlägt der Erbe aus, erbt automatisch der Nächstberufene. Wer also ausschlägt, sollte seinen erbenden Angehörigen unbedingt mitteilen, dass das Erbe verschuldet ist. Andernfalls bringt man seine Angehörigen in eine finanziell hoffnungslose Situation. Bei Ehegatten besteht eine Besonderheit. Diese können die Erbschaft ausschlagen, ohne ihren Anspruch auf den Pflichtteil zu verlieren. Das kann dann angewendet werden, wenn der verstorbene Ehegatte einen besonders hohen Zugewinn erwirtschaftet hat. Für den überlebenden Ehegatten ist es dann manchmal günstiger, die Erbschaft auszuschlagen und Ausgleich des Zugewinns zu verlangen. Zusätzlich bekommt er vom restlichen Erbe noch seinen Pflichtteil.

 

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