Seetestament

Seetestament

 

Im Erbrecht der Bundesrepublik Deutschland gibt es verschiedene Formen, eine Verfügung von Todes wegen zu erstellen. Es gibt die Möglichkeit, ein öffentliches Testament, welches durch einen Notar beurkundet wird, und einem eigenhändigen Testament, das handschriftlich vom Erblasser verfasst wird. Es kann jedoch auch zu Situationen kommen, in welchen der Erblasser keine Möglichkeit mehr hat, ein Testament nach den genannten Kriterien zu verfassen. Für diese Situation hat der Gesetzgeber der Bundesrepublik Deutschland ein Nottestament vorgesehen, damit jeder die Möglichkeit hat, jederzeit ein Testament errichten zu können. Hierzu gehören das Seetestament, das Drei-Zeugen-Testament und das Bürgermeistertestament. Bei einem Seetestament wird die letztwillige Verfügung von Todes wegen ausschließlich an Bord eines Schiffes abgegeben. Die Voraussetzungen für ein Seetestament sind in § 2251 BGB geregelt. Damit handelt es sich bei einem Seetestament um ein juristisch vollkommen anerkanntes Testament. Damit ein Seetestament wirksam erstellt werden kann, muss dieses vor drei Zeugen mündlich an Bord eines Schiffes abgegeben werden. Bei den Zeugen darf es sich dabei nicht um die Erben handeln. Die drei Zeugen ersetzen den Notar und übernehmen dabei dessen Funktion. Der Erblasser wird mündlich sein Testament verkünden und anschließend muss dieses schriftlich festgehalten werden. Die Niederschrift der mündlichen Aussagen des Erblassers muss den Vorschriften des Beurkundungsgesetzes entsprechen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass bei einem Seetestament keine akute Lebensgefahr bestehen muss. Damit unterscheidet sich das Seetestament von dem Bürgermeistertestament und dem Drei-Zeugen-Testament, wo eine akute Lebensgefahr bestehen muss. Da auf hoher See meistens ein gewisses Risiko eines Unglücks besteht und im Falle eines Notfalls keine Zeit für die Erstellung eines Testaments verbleibt, darf das Seetestament jederzeit an Bord eines Schiffes errichtet werden. Die Möglichkeit, ein Seetestament zu erstellen, stammt bereits aus den Anfängen des BGB im Jahr 1900. Seit erstmaligem Inkrafttreten des BGB hat der Gesetzgeber der Bundesrepublik Deutschland bereits an die zur See fahrende Bevölkerung gedacht. Da die Seefahrt in der heutigen Zeit durch den zunehmenden Welthandel und der zunehmenden Kreuzfahrtindustrie sehr stark an Bedeutung gewonnen hat, nimmt das Seetestament heute einen hohen Stellenwert ein. Weiterhin muss beachtet werden, dass ein Seetestament immer dann erstellt werden kann, wenn man sich an Bord eines deutschen Schiffes außerhalb eines deutschen Hafens befindet. Die Frage, welches Schiff deutsch ist, beantwortet sich nach dem Flaggenrechtsgesetz. Soweit also ein Schiff unter der deutschen Flagge fährt, ist ein Nottestament an Board grundsätzlich möglich. Das Nottestament gilt als nicht errichtet, wenn seit der Errichtung des Nottestaments bereits drei Monate verstrichen sind und der Erblasser noch lebt. Die Gültigkeitsdauer eines Nottestamentes ist demnach begrenzt. Daher müssen Erblasser dieses regelmäßig erneuern oder durch ein herkömmliches Testament an Land ersetzen.

 

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