Unterschied Nachlass Deutschland und USA

Unterschied Nachlass Deutschland und USA

 

Deutsches Erbrecht

 

Im deutschen Erbrecht wird der Nachlass eines Verstorbenen unmittelbar auf den oder die Erben durch die Universalsukzession übergehen. Den Nachweis, wer Erbe geworden ist, stellt der Erbschein dar. Dieser wird vom zuständigen Nachlassgericht in Deutschland auf Antrag eines Erben oder mehrerer Erben ausgestellt. Durch die Antragstellung auf Ausstellung eines Erbscheins gibt der Erbe gleichzeitig zu erkennen, dass er die Erbschaft mit allen Rechten und Pflichten angenommen hat. Wenn der Nachlass überschuldet ist, kann es jedoch ratsam sein, die Erbschaft auszuschlagen. Eine Ausschlagung der Erbschaft muss von dem oder den Erben innerhalb von 6 Wochen nach Kenntniserlangung des Erbfalls gegenüber dem Nachlassgericht mitgeteilt werden. Wenn sich die Erben außerhalb Deutschlands aufhalten, dann beträgt die Frist für die Ausschlagung der Erbschaft 6 Monate. Wer die Frist zur Ausschlagung nicht einhält, ist automatisch Erbe geworden. Für die Ausstellung eines Erbscheins fällt eine Gebühr an, welche sich nach dem Wert des Nachlasses richtet. Diese Gebühr fällt immer in Euro an. Bei der Ausschlagung ist weiterhin zu beachten, dass diese mindestens in öffentlich beglaubigter Form zu erfolgen hat.

 

Amerikanisches Erbrecht

 

Nach dem deutschen Recht geht der Nachlass mit dem Erbfall unmittelbar auf die Erben über. Dies geschieht durch die Universalsukzession. Dieses Verfahren ist im anglo-amerikanischen Recht (common law) nicht vorhanden. In den Vereinigten Staaten von Amerika geht der Nachlass vielmehr zunächst an den personal representative, den persönlichen Rechtsnachfolger des Erblassers. Dieser wird durch den Erblasser im Testament bestimmt (executor). Wenn der Erblasser diesen nicht im Testament bestimmt hat, dann bestellt das zuständige Nachlassgericht einen administrator. Die Rechtsstellung vom executor und administrator sind nicht mit dem deutschen Testamentsvollstrecker oder dem deutschen Nachlassverwalter zu vergleichen. Durch die Ernennung erlangt der persönliche Rechtsnachfolger des Erblassers nur treuhändische, aber gleichzeitig auch  tatsächliche Eigentumsrechte am Gesamtnachlass, welche erst mit Abschluss der Auseinandersetzung des Nachlasses enden. Bis zu dem Abschluss der Auseinandersetzung des Nachlasses haben die Erben keinerlei Rechte am Nachlass, sondern lediglich eine Anwartschaft. Während im deutschen Recht die Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung Ausnahmeerscheinungen sind und die Nachlassverwaltung einschließlich Erledigung der Nachlassverbindlichkeiten und der Vermächtnisse den Erben vorbehalten ist, ist in den USA die Nachlassabwicklung durch einen personal representative obligatorisch. Das rührt auch daher, weil das anglo-amerikanische Recht weder die Unterscheidung zwischen Erben und anderen Begünstigten im Sinne des deutschen Rechts noch einer Erbenhaftung gibt. Der personal representative hat am Ende der Tätigkeit dem amerikanischen Nachlassgericht den Erbennachweis sowie eine detaillierte Endabrechnung vorzulegen. Dafür ist meistens eine Frist von einem Jahr vorgesehen, in welcher die Endabrechnung dem Nachlassgericht vorgelegt werden muss.

 

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