Vermächtnis

Vermächtnis

Ein Vermächtnis hat zur Aufgabe, einen konkreten Vermögensgegenstand durch den Erblasser zu übertragen. Dies hat zur Besonderheit, dass eine Rechtsnachfolge nicht statt findet. Wenn ein Vermächtnis aufgesetzt wurde, wird ein Herausgabeanspruch gegenüber dem Erben oder einer Erbengemeinschaft begründet. Gegenstand eines Vermächtnisses kann ein Sachwert, ein Geldbetrag oder Rechte wie beispielsweise Rentenzahlungen sein. Es ist zwingend darauf zu achten, dass es zu keinen Konflikten bezüglich der Pflichtanteile kommt. Ein Nachlass in Höhe von EUR 200.000,00 kann nicht komplett als Vermächtnis übertragen werden, wenn es einen Erben oder eine Erbengemeinschaft gibt. Ein Vermächtnis über die komplette Höhe der Erbschaft muss durch die Erben oder die Erbengemeinschaft nicht erfüllt werden: Denn Pflichtteilsrechte gehen einem Vermächtnis immer vor. Die Rechte des Pflichtteilsberechtigten stehen damit über denen des durch das Vermächtnis Begünstigten. Sollte der Fall eintreten, dass das Erbe niedriger als der Pflichtteil ist, steht dem Erben ein Pflichtteilergänzungsrecht gegenüber dem  Begünstigten des Vermächtnisses zu. Das heißt, dass Vermächtnis muss nicht erfüllt, oder nur teilweise erfüllt werden. Ausschließlich wenn das Erbe größer als das Vermächtnis ausfällt, muss dieses erfüllt werden. Sollte das Vermächtnis für einen pflichtteilsberechtigten Erben bestimmt sein, tritt die Besonderheit in Kraft, dass das Vermächtnis auf den dem Erben zustehenden Pflichtteil angerechnet wird.

 

Vorausvermächtnis

Ein Vorausvermächtnis stellt eine Besonderheit im Rahmen eines Vermächtnisses dar. Dabei wird ein Erbe gleichzeitig auch Vermächtnisnehmer. Der entstandene Vermögensvorteil wird nicht auf den zukünftigen Erbteil angerechnet und der Vermächtnisgegenstand nicht in die Haftung bei eventuellen Nachlassverbindlichkeiten herangezogen – beim Vorausvermächtnis. Dabei ist zu beachten, dass der Erblasser sein Testament so klar wie möglich formuliert, damit eine eindeutige Auslegung ermöglicht wird. Aus einem Teilvermächtnis muss klar hervorgehen, dass es sich um ein Vorausvermächtnis handelt und nicht um eine Teilanordnung. Ist Letzteres der Fall, muss ein Ausgleich zwischen den Erben beziehungsweise der Erbengemeinschaft erfolgen, was bei einem Vorausvermächtnis gerade nicht der Fall ist. Als eine Erweiterung ist es denkbar, dass ein Vermächtnis an Voraussetzungen gebunden werden kann, welche vom Vermächtnisnehmer zu erfüllen sind. Erfüllt er diese nicht, hat der Erbe keinen Anspruch auf das Vermächtnis.

 

Ersatzvermächtnis

Bei einem Ersatzvermächtnis liegen immer zwei verschiedene Personen als Vermächtnisnehmer vor. In diesem Fall wird der Erblasser seinen kompletten Nachlass oder nur einen Teil des Nachlasses als Vermächtnis zuweisen. Es erfolgt eine Unterscheidung zwischen einem Erstberufenen und einem Zweitberufenen. Der Erstberufene hat zuerst Anspruch auf das Vermächtnis. Sollte dieser aus nicht vorhersehbaren Gründen ausfallen, erhält der Zweitberufene den Anspruch auf das Vermächtnis. Damit der Zweitberufene seinen Anspruch auf das Vermächtnis begründen kann, werden verschiedene Ersatzverfügungsgründe unterschieden. Möglich wäre ein Vorversterben, eine Ausschlagung, die Ungültigkeit der Einsetzung des Erstberufenen, der Widerruf der Einsetzung des Erstberufenen, ein Erbverzicht oder eine Erbunwürdigkeit des Erstberufenen sein.

 

Vor- und Nachvermächtnis

Hierbei wird der Erblasser einen Vorvermächtnisnehmer und einen Nachvermächtnisnehmer bestimmen. Die Besonderheit ist, dass ein Vermögensgegenstand zuerst an den Vorvermächtnisnehmer weitergegeben und anschließend an den Nachvermächtnisnehmer weitergegeben wird. Dabei erfolgt die Weitergabe des Vermögensgegenstandes in der Regel durch den Tod des Vorvermächtnisnehmers.

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