Verwandtenerbfolge

Verwandtenerbfolge

 

Zum Kreis der gesetzlichen Erben zählen vor allem die Verwandten des Erblassers. Diese sind in die verschiedenen Ordnungen aufgeteilt. Ein Verwandter ist nicht zur gesetzlichen Erbfolge berufen, solange ein Verwandter einer vorhergehenden Ordnung vorhanden ist. Dies geht aus § 1930 BGB hervor. Das hat folgende Rechtsfolge: Lebt im Erbfall auch nur ein Verwandter der ersten Ordnungen, sind alle Verwandten der zweiten oder dritten Ordnungen keine gesetzlichen Erben mehr. Verwandte erster Ordnung sind nur die Abkömmlinge des Erblassers, also seine Kinder, Enkel und Urenkel. Sie werden vorrangig vor den Eltern oder Geschwistern des Erblassers als gesetzliche Erben berücksichtigt. Innerhalb der ersten Ordnung gibt es auch eine gesetzliche Rangfolge. Lebt zur Zeit des Erbfalls ein Abkömmling, schließt er die durch ihn mit dem Erblasser verwandten Abkömmlinge von der Erbfolge aus. Zur zweiten Ordnung zählen die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also seine Geschwister, Nichten und Neffen. Nur, wenn der Erblasser kinderlos ist oder seine sämtlichen Kinder und deren Nachkommen vor ihm verstorben sind, werden Verwandte der zweiten Ordnung als gesetzliche Erben berücksichtigt. Auch innerhalb der zweiten Ordnung gilt: Eltern verdrängen ihre Kinder. Ist ein Elternteil verstorben, kommen die Kinder zum Zug. Allerdings erben sie nur den Anteil, der ihrem ‚Stamm‘ zusteht. Gesetzliche Erben der dritten Ordnung sind die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Dies ist in § 1926 I BGB geregelt. Zu den gesetzlichen Erben der vierten Ordnung gehören die Urgroßeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge nach § 1928 I BGB. Gesetzliche Erben der fünften Ordnung und der ferneren Ordnungen sind die entfernteren Voreltern des Erblassers und deren Abkömmlinge nach § 1929 I BGB. Die Verwandtenerbfolge bestimmt nicht nur, wer bei Abwesenheit eines letzten Willens den Nachlass erbt, sondern auch wie hoch der Anteil am Nachlass ausfällt. Das hängt neben dem Grad der Verwandtschaft zum Erblasser von der Anzahl der erbberechtigten Personen ab. Stirbt also beispielsweise eine Witwe mit einem Kind, erbt dieses Kind das gesamte Vermögen. Neben dem Kind hat auch die Witwe ein spezielles Erbrecht. Stirbt eine Witwe mit 4 Kindern, erbt jedes der Kinder ein Viertel. Bei zwei Kindern und 2 Enkeln eines verstorbenen Kindes, erhalten die beiden Kinder jeweils ein Drittel und die beiden Enkel ein Sechstel. Bei der Berechnung der Höhe des Erbteils ist allerdings nicht nur die Verwandtenerbfolge zu berücksichtigen, sondern auch das Ehegattenerbrecht. Der Ehegatte, der zum Zeitpunkt des eintretenden Todes noch mit dem Erblasser verheiratet war, ohne dass ein Scheidungsantrag gestellt wurde, hat ebenso das Anrecht auf einen Erbteil. Je nach Güterstand und Anzahl der Erben aus der Verwandtenerbfolge erbt er zwischen einem Viertel und dem ganzen Vermögen.

 

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